Nelly möchte lesen lernen

Zuletzt aktualisiert am 28. August 2021

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Aber Oma konnte so gut trösten. Und auch heute legte die Oma ihren alten Rüssel um Nellys Kopf und fragte: „Habe ich dir eigentlich schon die Geschichte vom schlauen Äffchen erzählt?“

„Nein noch nicht“, sagte Nelly. „Na dann hör mir mal gut zu!“, sagte die Elefantenoma und die beiden machten es sich gemütlich unter einem großen, schattigen Baum.

Es gab mal ein Äffchen, das von sich meinte, schlauer zu sein, als alle anderen um sich herum. Um Lesen zu lernen, bräuchte es nicht in die Schule zu gehen.

Es würde sich einfach alle Buchstaben besorgen und dann würde es schon irgendwie ganz schnell und ganz von alleine klappen. „So schwer kann es doch nicht sein!“, war es sich ganz sicher.

Also lief es jeden Tag zum Schulhof, versteckte sich in einem großen Baum und wartete bis es nach dem Unterricht zur Pause läutete. Dann verließen nämlich die Lehrer und Schüler ihre Plätze und ließen ihre Ranzen und Hefte und Bücher einfach auf den Tischen liegen und gingen in die Pause.

Schnell kletterte es dann durch das Fenster in das Klassenzimmer, sprang auf deren Schulbänke und schnitt mit einer Schere, die auf dem Tisch lag, die Buchstaben aus den Heften und Büchern heraus. Es nahm so viele mit, wie es tragen konnte.

Dann lief es wieder schnell zum Baum, kletterte hinauf und hing jeden einzelnen Buchstaben an den Zweigen auf. Das Äffchen sprang von Ast zu Ast und versuchte aus den Buchstaben Worte zu bilden, aber es klappte nicht.

„Aber die Schüler lernen es doch auch so?“, dachte es. Zumindest hatte das Äffchen es so beobachtet. „Das schaue ich mir morgen noch mal genauer an“, beschloss es und ging schlafen.

Am nächsten Morgen nahm es die Stellung im Baum wieder ein. Die Schüler packten die Hefte und Bücher aus und begannen zu lesen. „Aber was für ein Schreck! Da kam ja ein Kauderwelsch heraus.“

Alle guckten sich fragend an. „Was war passiert?“. Bei jedem fehlten an verschiedenen Stellen die Buchstaben und alles ergab plötzlich keinen Sinn mehr.

Eine Schülerin begann zu weinen, ein anderer wurde böse und schrie: “Wer hat das gemacht? Wer hat die Löcher in mein Heft geschnitten? Wenn ich den erwische!“

Als das Äffchen das hörte, bekam es Angst. „Ich wollte doch nur lesen lernen und niemanden verärgern.“ Es begann die Buchstaben von den Ästen zu befreien und sie flatterten langsam vom Baum auf den Schulhof.

Ein Schüler sah es aus dem Fenster und meinte: „Seht nur! Vom Baum regnet es Buchstaben!“ Alle liefen hinaus und fingen an, die Buchstaben einzusammeln.

Jemand rief „Hey, da ist ja mein A!“ und klebte es in sein Heft. Ein anderer rief: „Ich habe mein O gefunden. Aber wer hat mein U gesehen?“

Bis alle Buchstaben wieder an den richtigen Ort gelangt sind, hatte das Äffchen es sehr aufmerksam beobachtet und deren Laute gehört und konnte einige dadurch gut einordnen. Aber lesen!? Konnte es noch lange nicht.

„Es ist wohl besser, ich lasse es mir in der Schule richtig beibringen“, dachte es und lief etwas nachdenklich nach Hause.

„Gedulde dich auch noch etwas kleine Nelly“ , sagte die Elefantenoma. „Du wirst noch früh genug das Lesen lernen. Und wenn die anderen mal keine Zeit zum Vorlesen finden, dann darf man auch eigene Geschichten erfinden und weitererzählen. Und zwar allen, die sie gerne hören möchten.“

Nelly schaute zufrieden zur Oma auf, die ihr ganz aufmunternd zuzwinkerte.

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