Möwe Erwin und das Wattenmeer

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Er schaffte es gerade noch in der letzten Sekunde den Körper zu heben und wieder Richtung Himmel abzuheben. Eines der Kinder rief: „Hey was soll denn das? Das ist unsere Burg!“ Ein anderes Kind versteckte sich, da sich Erwin bereits im zweiten Landeanflug befand. 

„Zumindest habe ich schonmal ihre Aufmerksamkeit!“, dachte er sich. Nun beim zweiten Flugmanöver wurde auch den Kindern klar, dass Erwin irgendein Anliegen hatte. „Was ist denn mit dieser Möwe los? Wir haben hier nichts zu essen für dich!“, sagte eines der älteren Kinder. 

Erwin beschloss nun einen eindeutigen Versuch zu unternehmen. Er war sich sicher, dass die Kinder ihn nun nicht mehr aus den Augen ließen und flog von der Sandburg aus zu der immer näher kommenden Flut. Dort landete er im kühlen Nass, versuchte möglichst viel Wirbel im Wasser zu machen und flog dann pitsche nass  zu den Kindern zurück.

Könnte Erwin mit ihnen sprechen, hätte er etwas gesagt wie: „Seht ihr denn gar nicht, wie nah das Wasser schon gekommen ist?“ Die Kinder fanden das Schauspiel allerdings ganz unterhaltsam und hatten scheinbar auch die Sorge verloren, er könne nochmal einen Sturzflug auf eine ihrer Burgen unternehmen. 

Nun blieb nur noch eine Chance, wusste Erwin. Er landete neben den Kindern. So nah, wie jetzt, würde er freiwillig eigentlich nie an Menschen herankommen. Doch wenn er ihnen helfen wollte, blieb ihm ja nichts anderes übrig. 

Er schnappte sich in Sekundenschnelle eine Sandschaufel der Kinder und flog los. Er wusste nicht, wer die Eltern waren und schon gar nicht in welchem der unzähligen Strandkörbe sie eventuell sitzen würden. 

Außerdem war Erwin sich gar nicht sicher, ob die Eltern seine Botschaft verstehen würden, da sie sich scheinbar mit Ebbe und Flut nicht besonders gut auskannten. Stattdessen flog Erwin im Eiltempo zur Rettungsstation.

Hier kannten alle die Regeln der Natur und auch die Gefahr, die sich gerade anbahnte. Als er fast angekommen war wurde ihm auch klar, weshalb bisher niemand die Burgen bauenden Kinder entdeckt hat. Ein riesiger Lieferwagen, der gerade Eis und andere Tiefkühlware zum Kiosk brachte, versperrte den Blick. 

Erwin knallte die rote Plastikschaufel an die Frontscheibe der Rettungsstation. Es schepperte ganz kräftig und die beiden zuständigen Rettungsschwimmer rannten sofort nach draußen. „Die Möwen werden immer merkwürdiger“, sagte der eine. 

Doch nun machte Erwin ein paar Umdrehungen in der Luft und flog mit der Schaufel wieder los. Die Neugierde der beiden Menschen war geweckt. Sie nahmen ihr Fernglas in die Hand und ließen Erwin nun nicht mehr aus den Augen.

Was sie dann sahen sorgte dafür, dass nur wenige Sekunden später, schrille Trillerpfeifen zu hören waren und ziemliche Hektik an der Rettungsstation eintrat. Erschöpft ließ Erwin die rote Schaufel bei den Kindern fallen. Von Weitem sah er, wie eine Schar Erwachsener in ihre Richtung rannte.

Darunter waren auch die Eltern die wild gestikulierten und ihren Kindern von Weitem zuriefen. Als sie nur noch wenige Meter entfernt waren, beschloss Erwin abzuheben. Die Kinder waren jetzt in Sicherheit!

Die beiden Menschen aus der Rettungsstation zeigten noch auf die Möwe am Himmel, doch Erwin war bereits zwischen den Wolken verschwunden. „Gerade nochmal gut gegangen!“, dachte sie Erwin und hoffte nun doch noch auf einen Wattwurm. 

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