Die Taube und die Ameise

Die Taube und die Ameise

An einem warmen Sommertag floss ein ruhiger Bach durch einen grünen Wald. Am Ufer wuchsen Gräser und Blumen, und Libellen schwirrten über dem Wasser.

Dort lebte eine kleine Ameise. Sie war sehr fleißig und suchte ständig nach Nahrung. An diesem Tag hatte sie ein großes Brotkrümelchen gefunden. „Das bringe ich nach Hause“, dachte sie stolz und schleppte es zum Bach.

Um schneller zu sein, ging sie ganz nah an die Wasserlinie. Doch der Boden war rutschig. Plötzlich glitt sie aus und fiel mit einem Platsch ins Wasser.

„Hilfe!“, rief die Ameise verzweifelt. Die Strömung riss sie mit sich fort. Sie strampelte mit ihren winzigen Beinen, aber sie konnte nicht schwimmen. „Ich will nicht ertrinken!“, dachte sie ängstlich und kämpfte gegen das Wasser.

Auf einem Ast über dem Bach saß eine weiße Taube. Sie plusterte ihre Federn in der Sonne und beobachtete den Wald. Als sie die Ameise im Wasser zappeln sah, wurde sie aufmerksam.

„Die kleine Ameise ist in Gefahr“, sagte die Taube zu sich selbst. „Wenn ich ihr nicht helfe, wird sie untergehen.“

Die Taube überlegte kurz. Dann pickte sie ein grünes Blatt von einem Ast und flog ein Stück über den Bach. Sie ließ das Blatt direkt neben der Ameise ins Wasser fallen.

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Die Ameise bemerkte das Blatt. Mit letzter Kraft kletterte sie darauf. Das Blatt schwamm wie ein kleines Boot auf den Wellen. Langsam trieb es zum Ufer.

Endlich erreichte die Ameise wieder festen Boden. Sie krabbelte zitternd vom Blatt und atmete tief durch. Sie schaute hinauf zu der Taube.

„Du hast mich gerettet“, rief die Ameise dankbar. „Ohne dich wäre ich im Bach untergegangen.“

Die Taube lächelte freundlich. „Schon gut“, antwortete sie. „Heute brauchtest du Hilfe. Vielleicht brauche ich eines Tages auch Hilfe.“

Die Ameise nickte. Sie nahm sich fest vor, die gute Tat nie zu vergessen.

Einige Tage später herrschte wieder Ruhe im Wald. Die Ameise lief zwischen den Grashalmen umher und suchte nach neuen Krümeln. Von oben hörte sie das Flattern von Flügeln. Die Taube saß in den Zweigen eines Baumes nahe am Bach und putzte ihr Gefieder.

Plötzlich brach ein Ast weiter hinten im Wald. Ein Mann trat aus den Büschen. Es war ein Jäger mit einer Mütze und einem großen Netz.

Der Jäger blieb unter dem Baum stehen, in dem die Taube saß. Er beobachtete sie genauer und grinste.
„Was für eine schöne Taube“, murmelte er. „Dich fange ich mir. Du wirst ein gutes Essen geben.“

Er hob langsam sein Netz und schlich leise an den Baum heran. Die Taube bemerkte ihn nicht. Sie ahnte keine Gefahr und sortierte in Ruhe ihre Federn.

Die Ameise sah den Jäger und erschrak. „Die Taube!“, dachte sie. „Sie hat mir das Leben gerettet. Jetzt ist sie selbst in Gefahr. Ich muss ihr helfen!“

Sie war klein, aber sie war mutig. Sofort rannte die Ameise so schnell sie konnte über den Waldboden. Sie zielte auf den Stiefel des Jägers.

Gerade als der Jäger das Netz hochhob, erreichte sie seinen Fuß. Ohne zu zögern biss sie ihn fest in die nackte Stelle über der Ferse.

„Aua!“, schrie der Jäger überrascht. Vor Schreck zuckte er zusammen. Das Netz rutschte aus seiner Hand und fiel zu Boden.

Die Taube hörte den Schrei. Sie sah das Netz fallen und erkannte die Gefahr. Mit schnellen Flügelschlägen stieg sie in den Himmel auf und flog davon.

Der Jäger hielt sich den schmerzenden Fuß. „Dumme Ameise!“, knurrte er und schaute wütend nach unten. Doch da war sie schon im Gras verschwunden.

Die Taube landete später auf einem niedrigeren Ast, etwas weiter weg vom Jäger. Sie schaute hinunter und entdeckte die Ameise im Gras.

„Warst du das?“, rief die Taube. „Hast du den Jäger gebissen?“

Die Ameise nickte stolz. „Du hast mich aus dem Bach gerettet“, sagte sie. „Heute war ich an der Reihe, dir zu helfen.“

Die Taube flatterte vor Freude mit den Flügeln. „Ich bin viel größer als du“, meinte sie. „Und doch hast du mich gerettet. So klein du auch bist, du bist sehr mutig.“

Die Ameise lächelte. „Man muss nicht groß sein, um helfen zu können“, antwortete sie leise. „Eine gute Tat kommt oft zu einem zurück.“

Von diesem Tag an waren Taube und Ameise gute Freunde. Die Taube beobachtete von oben, was am Boden geschah. Die Ameise schaute aufmerksam nach allem, was Menschen im Wald taten.

So passten sie gemeinsam aufeinander auf. Die Taube wusste jetzt: Nicht nur starke Flügel sind wichtig, sondern auch ein gutes Herz – egal wie klein es ist.

Was ist die Moral der Fabel Die Taube und die Ameise?
Diese Fabel zeigt, dass jede gute Tat wichtig ist und oft zu uns zurückkehrt. Auch die Kleinsten können den Großen helfen, wenn sie mutig sind. Wer andere unterstützt, ist später selbst nicht allein, wenn er Hilfe braucht. Freundschaft entsteht, wenn wir füreinander da sind – ganz egal, wie groß, stark oder wichtig wir wirken.
Was meinst du?
Welche Moral steckt aus deiner Sicht in dieser Fabel? Schreib es uns in die Kommentare!

Hinweis: Diese Geschichte basiert auf Äsops Fabel, die um 600 vor Christus geschrieben wurde. Sie wurde durch uns modernisiert und illustriert.

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