Kater Leo räumt auf

Kater Leo räumt auf

Obwohl sich Leo aus schlechtem Wetter nichts machte, schlug es ihm dieses Mal aufs Gemüt.

Seit Tagen regnete es ununterbrochen. Das bedeutete für den Kater: man konnte keine Vögel von der Fensterbank aus beobachten, obwohl Leo das selbstgebaute Vogelhaus nicht aus den Augen ließ. 

Auch keine Menschen, die im Garten das Gartenlaub von den Blumenbeeten beseitigten und die Gehwege fegten. Also weit und breit nichts zu sehn, was ihn wachhielt und etwas die Laune verbesserte. Nur Regentropfen, die ganz monoton auf den Fensterscheiben herunterliefen und ihn richtig einschläferten.

„Was soll ich denn nachts machen, wenn ich schon den ganzen Tag verschlafe?“, dachte Leo. „Dann ist es ja noch viel langweiliger und ganz duster dazu. Obwohl ich im dunkeln ganz gut sehen kann, aber… Krach machen darf ich nachts ja auch nicht, sonst wecke ich meine Menschen und die werden dann richtig unfreundlich!“

„Miau, ich muss mir etwas einfallen lassen, womit ich mich beschäftigen kann“, dachte Leo schlenderte in die Küche. Dort saßen seine Menschen am Küchentisch und unterhielten sich mit einer Nachbarin, die zu Besuch war.

Leo blieb an der Küchentür stehen, schubberte sich den Rücken am Türrahmen und folgte dem Gespräch der Menschen, die ihn noch gar nicht wahrgenommen hatten.

„Ist das ein ungemütliches Wetter!“ meinte die Nachbarin und trank ihren warmen Tee. 

„Ja das hört gar nicht mehr auf zu regnen, dabei muss der Garten noch winterfest gemacht werden und, und….“, sagten Leos Menschen.

„An den Garten mag ich noch gar nicht denken“, meinte die Nachbarin. „Ich habe mir vorgenommen, bei mir im Haus einige Sachen zu entrümpeln. Es hat sich über die Jahre soviel angesammelt, was ich gar nicht mehr brauche. Nächste Woche werde ich den ganzen Sperrmüll in meinen Vorgarten stellen. Da wäre schönes Wetter schon angebracht bevor er abgeholt wird, damit nicht alles so  nass wird. Vielleicht kann der eine oder andere doch noch etwas davon gebrauchen?“

„Das wäre bei uns auch mal dringend nötig“, sagten Leos Menschen. „Wir müssten auch so einiges aussortieren, was wir nicht mehr brauchen und das uns nur im Weg herumliegt. Allerdings haben wir erstmal keine Zeit dafür. Ein neues Projekt nimmt uns voll in Anspruch. Bei uns stapelt sich schon alles. Ganz alltägliches, wie Staubsaugen, Bügelwäsche und vieles andere kommt im Moment zu kurz. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht vergessen, unseren Leo zu verpflegen. Zum Glück ist er ja so selbständig“.

Die Nachbarin nickte ganz verständnisvoll und sagte: „Na dann will ich mal wieder los. Es gibt viel zu tun und viel Arbeit wartet auf mich. Drückt mir die Daumen, dass das Wetter besser wird und euch wünsche ich viel Erfolg!“

Sie stand auf, ging zur Tür und sah Leo. Sie kraulte ihn am Kopf und sagte: „Na Leo, wenn du Zeit und Lust hast, kannst du mir gern mithelfen.“ Daraufhin zwinkerte sie den Menschen zu und war weg.

Die Langeweile von Leo war im Nu verschwunden. Denn wer, wenn nicht er, musste jetzt seinen Menschen helfen aufzuräumen.  Sie hatten wirklich wenig Zeit und kamen erst spät abends nach Hause. 

Zufrieden mit seinem Vorhaben, gesellte sich Leo zu seinen Menschen, die jetzt auf dem Sofa saßen und scheinbar etwas Wichtiges lasen. 

„Ach Leo, dein Schnurren habe ich schon so vermisst, es ist so beruhigend.“ Das hörte der Kater sehr gern und schnurrte noch etwas lauter. Ganz nebenbei ließ er sich von beiden herrlich kraulen.

Schon am nächsten Morgen verließen alle eilig das Haus. „Bis später Leo!“, riefen sie und die Tür fiel ins Schloß.

Leo war sichtlich gut gelaunt, denn er hatte viel vor.

Zuerst machte er einen Rundgang durch alle Zimmer. Ihm war gar nicht aufgefallen, dass es in diesem Haus gar nicht mehr so ordentlich aussah, wie zuvor. Im Gegenteil, er fand es sogar noch etwas gemütlicher. 

„Das werde ich jetzt genau unter die Lupe nehmen“, beschloss Leo.

Im Wohnzimmer war die Kaschmirdecke, die sonst immer sorgfältig zusammengefaltet auf dem Sofa lag, verknittert und halb auf den Fußboden gerutscht. Das Strickzeug war unter dem Sessel und nicht in dem Wollkörbchen. Auf dem Tisch stapelten sich die Bücher und Zeitungen.

Weiter ging es ins Schlafzimmer. Dort lagen Kleidungsstücke herum.  Eigentlich undenkbar in diesem ordentlichen Haushalt. „War hier nicht immer alles auf Bügeln im Kleiderschrank aufgereiht?“.

Und in der Küche erst. Das Frühstücksgeschirr wurde gar nicht abgeräumt. „Gehörte es nicht in die Spülmaschine? Miau!“

Das Ganze störte Leo natürlich gar nicht, nur seine Menschen empfanden es als Unordnung.

„Nun, das lässt sich ja leicht ändern“, dachte sich der Kater. „Hier gibt es zweifellos sehr viel zu tun. Wie gut, dass Ich wenigstens die Zeit habe, auszuhelfen. Da werden sie sich aber freuen, Miau!“

„Wo fange ich nur an?“, überlegte der Kater. Plötzlich erinnerte er sich an den Satz, den seine Menschen in der Küche zu der Nachbarin gesagt hatten. Der ging ungefähr so: „Alles, was uns im Weg herumliegt und nicht mehr gebraucht wird, muss aussortiert werden.“ 

Also rannte er in den Keller und holte einen großen Karton. Er warf alle Sachen dort hinein, die nicht auf ihrem Platz einsortiert waren und nur so herumlagen.

Pullover, Krawatten, Socken, Strickzeug,  Zeitschriften, und alles, was dem Kater beim Aufräumen in die Pfoten kam, fand darin Platz. Im Nu war der Karton voll. Leo holte schnell den nächsten. Und auch der war schnell gefüllt.

Im Badezimmer angekommen sah Leo einen vollen Wäschekorb. Die Wäsche gehört in die Waschmaschine,  das hatte Leo oft beobachtet. Also stopfte er unsortiert alles hinein und schloß das Bullauge.

„Wo stand noch mal das Waschpulver? Ach da… und hinein damit! Jetzt nur noch einen Knopf drücken und die Waschmaschine beginnt zu waschen“, dachte Leo. 

„Das Aufräumen läuft ja, wie am Schnürchen, Miau“, freute sich der Kater und lief zum nächsten Zimmer.

Im Gästezimmer, das bei nicht anwesenden Gästen auch als Bügelzimmer diente, hatte der Kater große Schwierigkeiten das sperrige Bügelbrett aufzubauen. „Autsch“, jedesmal klemmte er sich die Pfoten bei dem Versuch, es auf seine richtige Höhe einzustellen.

Leo schimpfte laut mit dem Ding und wollte schon aufgeben. Dann rastete es plötzlich ein und blieb genau richtig stehen. Gebügelt hatte Leo bisher noch nie, aber das dürfte ja nicht so schwer sein. Er holte den vollen Korb mit der Bügelwäsche heran, griff zum Bügeleisen und los ging’s. 

„Man ist das anstrengend! Aber irgendwie zischt und dampft es nicht, wie ich es bei meinen Menschen gesehen habe. Komisch! Und so richtig glatt wird es auch nicht… warum muss man dann überhaupt bügeln?“, fragte sich der Kater. Danach stopfte er alles in den Kleiderschrank, denn es sollte ja aufgeräumt aussehen.

„So, erledigt!“, und ab in die Küche. Jetzt nur noch die Spülmaschine einräumen und dann wäre fast alles geschafft. Langsam merkte der Kater, dass auch er ganz schön geschafft war. Zu allem Unglück fiel ihm beim Einräumen auch noch eine Lieblingstasse seines Menschen zu Bruch. 

„Oh, je! Dass das noch passieren musste! Es lief doch so gut bisher“, jammerte Leo. „Ich werde eine neue Tasse besorgen, die mindestens genau so schön ist“, nahm er sich vor. Woher – das wollte er sich später überlegen.

Er griff zum Besen und zur Schaufel und schon klapperte es im Mülleimer.

Eigentlich war jetzt alles fertig, was Leo sich vorgenommen hatte, wäre da nicht dieser komische Schaum, der aus dem Badezimmer kam. „Oh nein, das kann doch nicht wahr sein!“

Leo schnappte sich einen Feudel und wischte und wischte und wischte. „Das war wohl ein wenig zu viel von dem Waschpulver. Nicht schlimm“, beruhigte sich der Kater selbst. „Dafür wird die Wäsche jetzt super sauber sein.“

„Höchste Zeit eine Pause zu machen“, beschloss Leo. Er lief zu seinem Napf, leerte ihn und sprang satt und zufrieden auf seine Fensterbank.

„Unglaublich!“, draußen schien mittlerweile die Sonne. Er konnte ganz entspannt die Nachbarin beobachten, wie sie mit einer Schubkarre die Sachen aus ihrem Haus schob und in ihrem Vorgarten auslud.

Das machte den Kater neugierig und Leo wollte sich die Sachen aus der Nähe genauer anschauen. „Vielleicht wäre für mich noch etwas brauchbares dabei? Außerdem könnte ich doch die aussortierten Sachen von meinen Menschen mit dazu stellen!?“

Ein kleines Nickerchen, danach ging’s nach draußen. Leo umrundete neugierig die aufgetürmten Sachen. Kaputte Stühle, alte Regale, Gummistiefel und vieles mehr lagen auf dem Haufen. Der Kater schielte in die abgestellten Kartons und tatsächlich: in einem Karton war Geschirr.

„Ach Leo, da bist du ja. Wie schön, dass du zum Helfen kommst“, sagte die Nachbarin lachend und ging weiter ihrer Arbeit nach. „Miau, Miau“, gab Leo höflich von sich und schlenderte ganz unauffällig weiter.

Wieder beim Geschirr angelangt, griff er mit der Tatze hinein, fühlte einen Henkel und zog eine geblümte Tasse heraus. Der Kater betrachtete sie, fand sie ganz schön und spurtete ins Haus.

Die Tasse würde seinen Menschen auch gefallen, da war er sich sicher. Und seine eigenen Kartons würde er morgen dazustellen, die konnten warten.

In Gedanken malte er sich schon aus, wie sehr sich seine Menschen über die großartige Hilfe freuen würden, sobald sie wieder da wären.

Es wurde bereits dunkel und Leos Menschen kamen sichtlich gut gelaunt nach Hause. „Nur noch ein paar Tage, dann haben wir wieder richtig viel Zeit. Ist das nicht schön Leo? Dann wird auch bei uns ordentlich entrümpelt, dann schaffen wir richtig viel Platz und endlich wieder Ordnung!“

„Ach, hattest du eigentlich heute Morgen die Waschmaschine angemacht, es riecht hier so frisch nach Waschpulver?“, erklang es aus dem Flur in Richtung Badezimmer.

„Nein!“, hörte Leo die Antwort aus der Küche. 

„Ich setzte gerade Wasser für einen leckeren Tee auf. Möchtest du deinen Tee in der geblümten Tasse? Hmm, ist die neu? Wo ist eigentlich meine Lieblingstasse? Na, ja.  Solange der Tee zieht, gehe ich mich kurz umziehen. Aber sag mal, wo sind denn meine Kleider geblieben, hattest du sie noch weggeräumt? Und wo kommen diese Kartons her, die hier in der Ecke stehen?“

Leo genoss es, dass die Mühe sich gelohnt hatte und alle scheinbar zufrieden waren. „Wenn sie erstmal merken, das alles fertig gebügelt und alles andere auch schon erledigt ist. Nicht auszudenken diese Freude!“

Ganz entspannt zog Leo sich zurück. „Puh, das war ein anstrengender Tag. Aber was tut man nicht alles für seine Menschen.“

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