Die Rübchenzählerin

Zuletzt aktualisiert am 9. März 2021

Eines Tages hoppelte eine Hasenfamilie über die Felder und Wiesen. Sie waren auf der Suche nach einem schönen Platz für ihr neues Zuhause. Die Familie erwartete in diesem Frühjahr Nachwuchs und der alte Bau der Hasen war mittlerweile viel zu klein.

Am Rand eines Feldes entdeckten sie einen alten Schuppen, der von einem verwilderten Garten umgeben war. „Das könnte der richtige Platz für uns sein“, rief der Hasenvater fröhlich. „Ja, lass uns diese Hütte mal aus der Nähe ansehen“, schlug die Hasenmutter vor. Der Reihe nach hoppelten sie dorthin.

Als sie ankamen, staunten sie nicht schlecht. Hier wurde scheinbar seit langer Zeit nichts mehr verändert und die hohen Hecken und Büsche konnten sich mächtig ausbreiten. Nun zeigten sich bereits die ersten Knospen an den knorrigen Zweigen und auch die alten Obstbäume erwachten langsam aus ihrem langen Winterschlaf.

Man konnte sehen, dass in diesem verwilderten Garten früher ganz ordentliche Gemüsebeete angelegt wurden. Doch mittlerweile waren sie von Unkraut übersäht und von alten Zweigen und Blättern bedeckt.

„Lasst uns hier bleiben!“, rief die Hasenmutter ganz begeistert. Dieser Ort ist das, wonach wir lange gesucht haben. Hier stört uns keiner und unsere Hasenkinder können im Schutz der Hecken und Bäume aufwachsen. Hier werden wir uns alle wohl fühlen und ich kann mich voll und ganz dem Gemüseanbau widmen. Mal sehen, ob die neuen Rübensorten gedeihen werden und wir die vielen Rezepte ausprobieren können. „Du hast Recht!“, sagte der Hasenvater zufrieden. „Dieser Ort ist eine gute Wahl für unser neues Zuhause.”

Alle Familienmitglieder machten einen glücklichen Eindruck und die Hasenkinder erkundeten noch am selben Tag die Umgebung und spielten Verstecken. Der Hasenvater packte im Nu sein Werkzeug aus und zimmerte emsig im Inneren der alten Hütte. Die Hasenmutter fegte und wischte, richtete gemütliche Schlafplätze her und begann dann damit, die kleine Küchenzeile einzurichten. Sorgfältig stapelte sie Einmachgläser, Tassen und Teller in ein kleines Regal, säuberte Töpfe und Pfannen und freute sich auf die baldige Ernte in ihrem neuen Garten.

Täglich war die Hasenmutter im Garten zu finden und machte die Beete frei, säte verschiedene Salatsorten, Radieschen und allerlei Rüben aus. Die Züchtung neuer Rübensorten war eine ganz besondere Spezialität von ihr. Die Häsin war in ihrem Freundeskreis bekannt für die vielen Leckereien aus bunten Rüben und wurde oft um Rat und Hilfe gebeten.

Die Hasenmutter bewahrte die Samen der orangenen, gelben, violetten und der dunkelroten Rüben in kleinen Säckchen auf und hütete sie, wie einen Schatz. Es gab allerdings eine besonders schmackhafte und seltene Sorte, die ihr noch fehlte – die Schwarztrüffelrübe. Die Häsin war schon lange auf der Suche nach diesen Samen, aber bisher nicht fündig geworden.

In diesem Jahr bat die Dorfgemeinde die Hasenmutter darum, eine leckere Rübentorte zum Sommerfest zu backen. Die Häsin war stolz, dass man sie mit dieser Aufgabe betraute und wollte etwas ganz besonderes und feines zubereiten. Außerdem war es eine schöne Gelegenheit, auch die vielen Freunde und die große Familie zu treffen.

Ab jetzt achtete sie täglich darauf, wie ihre Rüben gedeihten. Zur Qualitätsprüfung zog sie täglich eine Rübe aus dem Beet und verschaffte sich einen Eindruck über den Geschmack und die Farbe.

„Das kann doch wohl nicht wahr sein!“, hörte man sie eines Tages im Garten rufen. Alle Hasenkinder und der Hasenvater kamen herbei geeilt und sahen die verärgerte Hasenmutter, die eine gelbe, angeknabberte Möhre in der Pfote hielt.

Übrigens: bei uns findet ihr neben Gute Nacht Geschichten auch tolle Ausmalbilder und Kinderwitze!

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