Die drei Waldmusikanten

Die drei Waldmusikanten

Es raschelte im Wald. Das herbstliche Laub flog sanft über den Boden und manchmal schwebten einzelne, bunt gefärbte Blätter ganz weit hinauf in Richtung Himmel.

„Du hast sie scheinbar auch gehört, diese wunderbaren Lieder!“, flüsterte Bär Bruno als er Sepp, den neugierigen Waschbären, hinter einem Baum entdeckte.

Nickend näherte er sich nun ebenfalls der kleinen Hütte und konnte fast durch das angelehnte und hell erleuchtete Fenster hindurchsehen. Da raschelte es plötzlich im Laub und die beiden erschraken.

„Nanu! Du hast uns aber einen Schrecken eingejagt!“, sagte Bruno. Aus dem dichten Laub schaute eine kleine, spitze Nase hervor. Es war Wim, der kleine Igel. 

„Könnt ihr sehen, was darin diese schöne Musik macht? Ich höre sie schon seit Tagen und habe mich heute zum ersten Mal getraut, hierher zu kommen. Man munkelt, dass in dieser Hütte ein Mann wohnt, der ein Gewehr trägt!“ Sepp und Bruno erschraken und entfernten sich wieder einige Schritte von der Hütte.


Weihnachtsmann

TIPPDu findest bei uns eine große Sammlung toller Weihnachtsgeschichten. Stöbere doch auch mal durch unsere Weihnachtsgrüße und Neujahrswünsche.


„Mag ja sein, dass darin ein Mann mit einem Gewehr wohnt“, entgegnete Sepp mutig. „Aber die Klänge in der Hütte sind so fröhlich und so schön. Und wenn wir ganz vorsichtig sind, glaube ich nicht, dass es hier für uns gefährlich ist.“

Gemeinsam suchten sie sich ein Plätzchen ganz in der Nähe der Hütte. Der Wind wehte günstig und dadurch konnten sie alles ganz genau hören. Sie genossen das muntere Spielen der Instrumente.

So ging es Abend für Abend und immer mehr Tiere versammelten sich um die Hütte herum. Ein scheues Reh, eine Wildkatze, ein Hase und eine Eule gesellten sich zu den Dreien hinzu. Sie alle hatten eines gemeinsam: sie mochten die Musik! 

Es wurde mit der Zeit kälter und der Herbst neigte sich dem Ende zu. Er würde bald vom Winter abgelöst werden, da waren sich die Tiere sicher.

Als sich die vielen Zuhörer an diesem Abend erneut versammelten, um freudig der Musik zu lauschen, bemerkten sie, dass das Licht in der Hütte nicht mehr so hell leuchtete, wie bisher. Und schlimmer noch. Mit voranschreitender Dämmerung war keine Musik mehr zu hören. 

„Ich werde hingehen und mir das mal genauer ansehen!“, sagte Wim fest entschlossen. „Irgendetwas stimmt da nicht. Es sieht anders aus, als sonst!“ Ganz nah an der Hütte angekommen, musste sich Wim richtig strecken, um vom Waldboden hinauf schauen zu können. 

Er rief den anderen zu: „Ich bin zu klein. Ich kann nicht hineinsehen.“ Also machten sich auch Bär Bruno und Sepp auf den Weg. Vorsichtig und darauf bedacht bloß keinen Ast unter den schweren Pfoten zu zerbrechen und damit den Hüttenbewohner hinaus zu locken. 

Bär Bruno sagte: „Ich werde mich anschleichen und versuchen hineinzuschauen.“ Die beiden anderen Waldbewohner nickten eifrig. Bruno flüsterte: „Es ist ein Vorhang vor dem Fenster. Ich kann nur einen flüchtigen Schatten erkennen. Und das Fenster ist scheinbar geschlossen worden. Deshalb hören wir auch nichts mehr!“

Die Drei gingen zurück zu den anderen Tieren und Bruno erzählte ihnen, was er gesehen hat. Die weise Eule unterbrach das nachdenkliche Schweigen der anderen Tiere: „Natürlich hat der Bewohner dieser Hütte das Fenster geschlossen! Schließlich ist es bitterkalt geworden und soweit ich weiß, haben Menschen kein wärmendes Fell oder dickes Federkleid, das sie vor den kalten Temperaturen schützt!“

Ein Raunen ging durch die kleine Gruppe der Waldbewohner. Der Förster wohnte also weiterhin in dieser Hütte und hörte wahrscheinlich auch weiterhin diese schöne Musik. Doch zum Schutz vor der Kälte des bevorstehenden Winters hatte er die Vorhänge zugezogen und das Fenster geschlossen. 

„Tja, das war es dann wohl mit der abendlichen Musik!“, brummelte Bär Bruno. Die anderen blickten traurig in den düsteren Abendhimmel.

„Ja Bruno hat Recht! Die schönen Abende hier an der Lichtung sind jetzt wohl vorbei“, flüsterte das Reh und war schon dabei, sich von den anderen Tieren zu verabschieden. 

„Wenn die Musik nicht mehr aus der Hütte kommt, müssen wir sie eben selbst machen!“, rief Wim so laut, wie nur möglich. Die anderen Tiere sahen ihn entgeistert an. „Wie meinst du das… selber machen?“, fragten sie, wie im Chor. 

Da erzählte Wim, dass er früher mal im Dorf hinter dem Wald lebte, bevor er sich dann in den Wald zurückgezogen hat. „Es gibt dort einige Geschäfte, viele Häuser in denen die Menschen leben und auch eine Schule. Und in dieser Schule wird auch Musik unterrichtet.“ 

Die weise Eule nickte und gab Wim Recht. „Das was der kleine Kerl erzählt stimmt. Ich habe eine Zeit lang unter dem Dach der Schule geschlafen und daher einiges gesehen“, sagte sie. „Unten in der Schule wird tagein, tagaus musiziert. Und noch besser daran ist, dass es in der Schulaula einen alten Abstellraum gibt, in dem ausrangierte Instrumente stehen. Außer einigen Spinnweben und etwas Staub sehen die Instrumente aber noch ganz gut aus, finde ich. Bevor sie am Ende auf dem Sperrmüll landen, sind sie doch bei uns ganz gut aufgehoben, oder was meint ihr?“, Die versammelten Tiere nickten und nun hatten alle verstanden, um was es heute gehen würde. 

„Lasst uns die Instrumente vor dem Sperrmüll retten!“, rief Sepp begeistert. Gemeinsam schmiedeten sie einen Plan und beschlossen schon am nächsten Tag zu Beginn der Abenddämmerung hinunter ins Dorf zu laufen, um sich dann in die besagte Abstellkammer der Schule zu schleichen.  

Am nächsten Nachmittag trafen sich die Tiere, wie vereinbart an der Waldlichtung. „Wir gehen los, sobald es dämmert!“, rief Wim. „Genau und wir müssen ganz leise sein. Uns darf niemand hören und sehen, verstanden?“, ergänzte Bruno.

Die weise Eule erklärte sich dazu bereit, von oben Anweisungen zu geben und den Überblick zu behalten. „Ich sage euch Bescheid, wenn die Luft rein ist! Bis dahin bleibt jeder auf seiner Position, einverstanden?“ Alle riefen im Chor: „Einverstanden!

Als die Sonne langsam unterging und es zunehmend dunkler wurde, machten sich die Tiere auf den Weg zum Dorf. In den Häusern der Menschen schien freundliches und gemütliches Licht durch die Fenster. Immer mal wieder waren Schatten hinter den Vorhängen zu sehen. Doch draußen auf den Straßen und Höfen war es ruhig.

 „Glück gehabt“, rief Wim. „Sie scheinen alle in ihren Häusern zu bleiben, weil es draußen so kalt ist!“ Die anderen Tiere stimmten ihm zu und erblickten nun endlich die Dorfschule. 

„Da ist sie!“, sagte das Reh sichtlich aufgeregt. Alle blickten zum Himmel, hinauf. „Psssscht, leise! Wir müssen darauf warten, was uns die Eule von oben zu verstehen gibt“, flüsterte Bär Bruno. Und dann sahen sie die weise Eule hoch oben am Himmel.

Sie umkreiste die Schule und blickte dabei gewissenhaft in alle Himmelsrichtungen. „Die Luft ist rein!“, rief sie vorsichtig. Sie war dabei darauf bedacht, keine Aufmerksamkeit zu erregen. 

Nun begannen die Tiere ihre Positionen einzunehmen. Ganz so, wie am Abend zuvor am Lagerfeuer besprochen. Bär Bruno war der Größte von ihnen und hielt daher Wache vor der Schule. Das scheue Reh blieb etwas weiter entfernt und beobachtete das Geschehen, um rechtzeitig eine Warnung an Bär Bruno weitergeben zu können.

Die anderen Tiere stiegen durch die Kellerluke und suchten im inneren des Gebäudes nach der Abstellkammer. Die weise Eule hatte ihnen am Abend zuvor einen alten Plan gegeben, auf dem zu erkennen war, dass die Kammer zur Waldseite lag. Damit konnten sich die Tiere gut orientieren und im Nu war das Zimmer gefunden. 

„Sie ist nicht verschlossen!“, jubelte Wim. Sie einigten sich auf einen Kontrabass, den Sepp spielen könnte, das Saxophon für Bär Bruno und die Flöte für Wim. Rasch lösten sie ein paar Spinnweben von den Instrumenten und pusteten den groben Staub ab. Dann beförderten sie eilig die Instrumente durch die Tür der Schule, und eilten im Schatten des Gebäudes durch die anbrechende Nacht.

„Wir haben es geschafft! Es wäre doch viel zu schade gewesen, die schönen Instrumente einfach auf den Sperrmüll zu werfen“, riefen alle gemeinsam. Von diesem Tag an erklang jeden Abend ab Einbruch der Dunkelheit eine wunderbare Musik am Rande der Waldlichtung.  

Weitere Geschichten:

Weitere interessante Artikel:

1 Kommentar zu „Die drei Waldmusikanten“

  1. Meine Freundin und ich mögen eure Geschichten wirklich sehr. Ich lese ihr auch fast jeden Abend eine eurer Geschichten zum einschlafen vor und es funktioniert auch sehr gut :). Und das ob wohl wir schon beide knapp über 18 Jahre alt sind.
    Wir freuen uns auch schon auf weitere tolle Geschichten von euch auf dieser Seite.
    Liebe Grüße aus Berlin und RLP

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert