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Huhn Frida und der falsche Frühaufsteher

Huhn Frida und der falsche Frühaufsteher
Zusammenfassung:
Vorlesedauer Icon Vorlesedauer: ca. 5 min
Seit einigen Tagen kräht Hahn Kasimir viel zu früh und bringt den ganzen Bauernhof durcheinander. Huhn Frida will herausfinden, was dahintersteckt, und entdeckt im Mondschein eine überraschende Spur.

Im Mai war der Bauernhof von Familie Heller besonders schön. Zwischen den Beeten blühten gelbe und weiße Blumen, die Apfelbäume trugen helle Blüten und über dem Gemüsegarten summten die ersten Bienen.

Huhn Frida liebte diese Jahreszeit sehr. Am liebsten scharrte sie morgens im weichen Boden, suchte nach Körnern und beobachtete, wie die Sonne langsam über dem Scheunendach aufstieg.

Normalerweise begann der Tag auf dem Hof immer gleich. Erst wurde es ein wenig heller, dann raschelte es im Stroh, und schließlich stellte sich Hahn Kasimir auf den Zaunpfahl und krähte mit voller Brust.

Doch seit einigen Tagen war alles anders. Kasimir krähte nicht erst am Morgen, sondern mitten in der Nacht.

„Kikerikiiii!“, schmetterte er so laut, dass die Scheiben am Stallfenster leise klirrten. Frida schreckte hoch und stieß mit dem Schnabel gegen die Futterrinne.

„Oh je, schon wieder!“, murmelte sie verschlafen. Neben ihr plusterte sich Henne Berta auf und zog den Kopf noch tiefer ins Gefieder.

Auch die Enten im kleinen Teich waren nicht begeistert. „Das ist doch keine Uhrzeit zum Aufstehen“, quakte Ente Leni müde und tauchte den Kopf unter einen Flügel.

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Am dritten Morgen, der eigentlich noch Nacht war, reichte es Frida. Sie stapfte durch den Stall und stellte sich vor Kasimir, der stolz auf einer alten Holzkiste saß.

„Kasimir, warum weckst du uns denn so früh?“, fragte sie. „Draußen ist es noch dunkel und sogar die Katze schläft noch auf dem Heuballen.“

Kasimir sah sie gekränkt an. „Ich mache nur meine Arbeit. Sobald ich den ersten hellen Schein sehe, muss ich krähen.“

Frida blickte zum kleinen Stallfenster. Tatsächlich fiel dort ein heller Streifen über den Boden, obwohl draußen kein Vogel zwitscherte und der Hofhund Bruno noch leise schnarchte.

„Das ist merkwürdig“, dachte Frida. „Wenn der helle Schein nicht von der Sonne kommt, muss er woanders herkommen.“

Sie beschloss, der Sache auf den Grund zu gehen. Schließlich war Frida nicht nur ein Huhn mit besonders scharfen Augen, sondern auch eines, das ungern unausgeschlafen blieb.

In der nächsten Nacht tat Frida so, als würde sie schlafen. Doch in Wahrheit hielt sie ein Auge offen und beobachtete Kasimir ganz genau.

Lange geschah nichts. Der Stall war still, nur das leise Atmen der Tiere und das gelegentliche Knacken des Holzes waren zu hören.

Plötzlich huschte ein heller Punkt über die Wand. Er wanderte vom Heuboden über die Futterrinne und landete schließlich genau auf Kasimirs rotem Kamm.

Kasimir riss die Augen auf. „Der Morgen!“, rief er erschrocken und holte tief Luft.

„Warte!“, gackerte Frida so laut, wie sie konnte. Doch da war es schon geschehen.

„Kikerikiiii!“ Der ganze Stall fuhr hoch, als hätte jemand einen Eimer kaltes Wasser ausgeschüttet.

Frida aber hatte genug gesehen. Der helle Schein kam nicht vom Himmel, sondern tanzte durch das kleine Fenster direkt von draußen herein.

Noch bevor die anderen Tiere richtig schimpfen konnten, schlüpfte Frida durch die Klappe hinaus auf den Hof. Der Boden war kühl und feucht, und auf den Grashalmen glitzerten winzige Tropfen.

Frida folgte dem Licht. Es hüpfte über einen Eimer, blitzte an einer Pfütze auf und führte sie bis zum Gemüsegarten.

Dort stand etwas Neues zwischen den Beeten. Die Bäuerin hatte vor einigen Tagen einen großen, silbernen Spiegel aufgestellt, damit die jungen Salatpflanzen mehr Licht bekamen.

Der Mond schien genau darauf. Von dort wurde sein Licht zum Stallfenster geworfen, geradewegs auf Kasimirs Schlafplatz.

„Na so etwas!“, sagte Frida. „Du bist also unser falscher Frühaufsteher.“

Am liebsten hätte sie den Spiegel sofort umgestoßen, doch er war viel zu schwer. Also dachte Frida nach und kratzte mit einer Kralle im feuchten Boden.

Da entdeckte sie neben dem Beet einen alten Jutesack, den der Bauer zum Schutz der Pflanzen benutzt hatte. Frida packte eine Ecke mit dem Schnabel und zog.

Es war anstrengend. Der Sack war schwer und roch nach Erde, aber Frida gab nicht auf.

Stück für Stück zerrte sie den Sack vor den Spiegel. Als der Mondschein verschwand, wurde es im Stallfenster wieder dunkel.

Am nächsten Morgen krähte Kasimir erst, als die echte Sonne langsam über den Apfelbäumen aufging. Die Tiere wachten ausgeruht auf, und selbst Ente Leni kam ohne Murren aus dem Teich.

„Ich habe wohl ein paar Tage lang den Mond mit der Sonne verwechselt“, sagte Kasimir kleinlaut. „Das tut mir wirklich leid!“

Frida pickte freundlich neben ihm im Gras. „Du hast nur getan, was du für richtig gehalten hast. Aber manchmal lohnt es sich, genauer hinzusehen.“

Kasimir nickte und krähte noch einmal, diesmal etwas leiser und sehr zufrieden. Der Hof begann seinen Tag genau zur richtigen Zeit.

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