Kommissar Walter und der Tag am Meer

Kommissar Walter und der Tag am Meer
Zusammenfassung:
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Kommissar Walter und sein Herrchen werden zum 70. Geburtstag von Tante Simone eingeladen. Doch statt an Bord eines Segelschiffs seekrank zu werden, bleibt Walter lieber an Land. Dort erwartet ihn ein kniffliger Fall: Ein Dieb am Strand stiehlt Essen von ahnungslosen Badegästen.

„Rrrrrrrrrring, Rrrrrrrrring“: Das Telefon klingelte. Kommissar Walter saß auf seiner Decke an der Eingangstür. Er schaute neugierig den Flur entlang. Dort stand das Telefon auf einer alten Kommode aus dunklem Kirschholz.

Sein Herrchen nahm den Hörer ab: „Tante Simone! Wie schön von dir zu hören! Natürlich kommen wir… Herzlichen Dank für die Einladung!“ Nun wurde Walter neugierig. „Habe ich richtig gehört? Einladung? Schön! Etwas Abwechslung kann im Dackelalltag sicherlich nicht schaden.“ 

Walter kannte Tante Simone von dem ein oder anderen Geburtstag, den sein Herrchen bereits ausgerichtet hatte. Dann wurde im Garten die ganze Verwandschaft zum Grillen eingeladen und im Anschluss mit Kaffee und Kuchen weiter gefeiert.

Bei genauerem Nachdenken erinnerte sich Walter sogar gern an Tante Simone zurück. Sie hatte ihm immer mal wieder ein Stück Wurst von ihrem Teller abgegeben und sogar etwas Sahnetorte für ihn beiseite gestellt. 

Nun hörte Walter sein Herrchen sagen: „Ach Simone. Mach dir wegen Walter mal keine Sorgen. Ich werde Frau Blumenthal fragen, ob sie Zeit hat. Er wird ja so schnell seekrank.“ Walters Herrchen legte auf und ging dann zurück ins Wohnzimmer.

„Na super!“ dachte sich Walter. „Immer diese rätselhaften Anrufe und ich kriege dabei immer nur die Hälfte mit. Dabei geht es ja ganz wesentlich um mich und scheinbar auch um Frau Blumenthal?“ 

Am nächsten Tag kamen die beiden gerade vom Waldspaziergang zurück, als sie zufällig Frau Blumenthal in ihrem Vorgarten antrafen. „Ach das trifft sich ja sehr gut!“, hörte Walter sein Herrchen über die Hecke sagen.

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„Wir wollten heute sowieso bei Ihnen vorbeischauen. Walter und ich wurden ans Meer eingeladen. Meine Tante besitzt ein altes, aber immerhin noch seetaugliches Segelschiff. Nun möchte sie die Familie einladen und ihren 70. Geburtstag mit uns feiern.“

Frau Blumenthal nickte anerkennend und rupfte währenddessen an ihrer prächtigen Hortensie herum. Walters Herrchen fuhr fort: „Allerdings kann ich Walter so eine Bootstour eigentlich nicht zumuten. Er mag Wasser ganz und gar nicht. Und von der Schaukelei auf so einem alten Schiff wird ihm sicherlich wieder übel werden! Also um es kurz zu machen: Wir wollten mal fragen, ob Walter nochmal für ein paar Tage bei Ihnen einziehen dürfte.“ 

„Wasser? Segelschiff? Oh je ich bin doch kein Bootshund. Hoffentlich hat Frau Blumenthal Zeit.“ Walter setzte seinen freundlichsten und zugleich traurigsten Dackelblick auf und sah direkt in die grau blauen Augen seiner netten Nachbarin. „Eigentlich konnte sie jetzt gar nicht mehr Nein sagen“, hoffte er. 

„Liebend gern Herr Nachbar. Sie wissen ja wie sehr mir ihr Dackel ans Herz gewachsen ist. Und seitdem er das Rätsel um meinen Dachboden gelöst hat, bin ich ihm ja sogar etwas schuldig. Allerdings beginnt nächste Woche meine Studienreise nach Südfrankreich…“. „Oh je!“ hörte Walter sein Herrchen sagen: „Dann wird er wohl doch mit ans Meer kommen müssen.“ 

Ein paar Tage später war es dann soweit. Walters Herrchen verstaute allerhand Gepäck im Auto. „Man weiß ja nie, was man alles so gebrauchen kann. Schließlich kann sich das Wetter am Meer ja auch ganz schnell ändern.“ Danach schloss er die Haustür ab.

Walter überprüfte noch eilig, ob auch seine wichtigsten Habseligkeiten dabei waren und stellte dann erleichtert fest, dass das wesentliche für ihn eingepackt und zwischen etlichen Taschen und Tüten im Kofferraum verkeilt war.

Endlich am Meer angekommen, stellte Walter fest, dass es hier nicht nach Würstchen, sondern nach geräuchertem Fisch roch. „Gar nicht mal so schlecht hier“, dachte er sich und seine Laune verbesserte sich schlagartig. Vom Parkplatz aus konnte er bereits einige Urlauber beobachten, die genüsslich ein Fischbrötchen verspeisten.

Kurz darauf machten sie sich auf den Weg zu Tante Simone. „Hier wird die Feier beginnen und am Nachmittag gehts dann aufs Wasser“, erklärte Walters Herrchen voller Vorfreude. „Scheinbar ist ihm entfallen, dass ich mich überhaupt nicht nicht darauf freue?“, dachte Walter etwas grimmig.

Nachdem sie von der Familie in einem herrlich schönen Garten begrüßt wurden, kam Tante Simone mit einem riesigen Tablett voller Leckereien vorbei. „Hier Walter: Eine leckere Makrele. Die hab ich extra für dich reserviert“.

Der Dackel freute sich sichtlich und verspeiste sie voller Genuss. Doch ehe er sich versah, begann sich die Geburtstagsgesellschaft in Bewegung zu setzen. „Wo wollen die denn jetzt alle hin?“ fragte sich Walter.

Doch dann sah er es. Der Garten grenzte direkt an einen Bootssteg mit Anleger. Daran befestigt war ein großes altes Segelschiff. Um die Reling herum hingen ein paar Ballons und um die Kajüte war eine bunte Lichterkette befestigt.

„Das sieht mir nach dem Geburtstagskahn aus“, murmelte Walter. Nun wurde ihm plötzlich schon vom bloßen Hinsehen schlecht.

Vor ihm lief Tante Simone, die gerade mit Walters Herrchen sprach. „Und du bist sicher, dass Walter mit aufs Wasser kommen sollte? Ich finde er sieht heute etwas blass aus und irgendwie ist sein Gang so wackelig, was meinst du?“

Sie schlug vor: „Er könnte auch hier an Land bei einem befreundeten Fischer bleiben. Er verkauft hier am Steg die besten Räucherfische, die es an der ganzen Küste gibt.“ Walters Herrchen betrachtete seinen missmutigen Dackel, der plötzlich einen sehr kränklichen Eindruck machte.

„Du hast Recht, Simone! Ich spreche mal mit dem Fischer und frage, ob Walter hier bleiben kann.“ Kurze Zeit später kam Walters Herrchen wieder zurück zum Anleger und erklärte Walter, dass er an Land bleiben darf. „Wenn du dich ruhig verhältst, kannst du es dir hier richtig gemütlich machen.“

Walter betrachtete den schönen Ort. Einige Bänke und Tische waren auf einer Sandfläche aufgestellt. Drumherum raschelte weiches Dünengras.

Nun fiel dem Dackel ein kleiner, grüner Schuppen auf, aus dem es mächtig qualmte. „Da werden also die leckeren Makrelen geräuchert, dachte er sich“. Wieder lief ihm das Wasser im Munde zusammen.

Gleich nebenan entdeckte er einen Weg zum Strand. Das Meer plätscherte leise vor sich hin und unzählige weiße Strandkörbe standen ordentlich aufgereiht an ihren Plätzen. Plötzlich fand er die Idee – alleine an Land zu bleiben – gar nicht so schlecht. 

„Wenn die Geburtstagstruppe davon geschippert ist, werde ich mir erstmal die Umgebung ansehen“, beschloss Walter. Er verabschiedete sich von seinem Herrchen und war erleichtert, dass er festen Boden unter den Füßen spürte. 

Plötzlich wurde Walter von lauten Rufen aufgeschreckt. „Nanu, was ist denn da los. Hier wird wohl eine Spürnase benötigt?“ Walter folgte den Rufen und sah durch das hohe Dünengras ein aufgeregt gestikulierendes Ehepaar. Sie beschwerten sich gerade lautstark bei Ihren Strandkorbnachbarn darüber, dass soeben ihr Fischbrötchen spurlos verschwunden war.

Kaum wollte Kommissar Walter Ausschau nach dem verschollenen Brötchen halten, da hörte er ein paar Meter weiter wieder laut Rufe. „Das gibts doch nicht! Meine Pizza wurde gestohlen! Hier ist ein Dieb am Werk!“

Walter schlich sich vorsichtig an den Strandkorb heran, aus dem er die Rufe vernommen hatte. Als er um die Ecke blickte, sah er einen leeren Pizzakarton und eine aufgeregte Frau, die ihren Mann als Pizzadieb zu verdächtigen schien. „Oh je! Hier hängt der Haussegen mächtig schief“, dachte sich Walter.

Er schnüffelte durch den Sand und hatte gerade eine leichte Fährte aufgenommen, da hörte er ein schrilles Weinen aus einer bunten Strandmuschel. Schnell lief er zum Ort des Geschehens und sah ein aufgeregtes Kleinkind, das seiner Mutter unter Tränen erklärte, dass die gesamte Tüte mit Keksen verschwunden sei.

„Jetzt reicht es mir aber. Ich werde mir den Dieb schnappen!“. Kommissar Walter legte sich auf die Lauer. Er beobachtete alle Strandgäste ganz genau.

Zuerst observierte er einen älteren Jungen, der sich auffällig oft von einem Strandkorb zum nächsten bewegte und seinen Kopf dabei weit hineinsteckte. Kurze Zeit später stellte sich dann jedoch heraus, dass er seine kleine Schwester suchte.

Dann sah er eine ältere Dame, die immer wieder andere Touristen nach dem Weg fragte und einen auffällig großen Rucksack trug. Beim Laufen verlor sie etliche Krümel auf dem Boden. Doch als sie auf einer Parkbank an der Promenade den Rucksack öffnete, sah Walter ein Baguettebrot hervorschauen und keine Kekse oder Pizza. „Hmm… Bei so einem bunten Treiben ist es gar nicht so einfach, einen Dieb aufzuspüren.“ 

Kommissar Walter brauchte Zeit zum Nachdenken. Er sprang auf eine warme Steinmauer und hatte von dort aus einen guten Überblick auf den gesamten Strand. Plötzlich wurde er von einem starken Windstoß aus seinen Gedanken gerissen.

Er drehte sich um und sah eine riesige Möwe, deren Flügel nur knapp an seiner Nase vorbei rauschten. „Hey! Pass doch auf!“, kleffte Walter die Möwe an. Doch sie interessierte sich scheinbar kein bisschen für den bellenden Dackel. Sie flog im Eiltempo über den Strand, setzte dann zum Sturzflug an, war kurz aus Walters Sichtfeld verschwunden und hob dann wieder imposant Richtung Himmel ab.

Doch was hatte sie da bloß in ihren Krallen? Walter konnte es nicht genau erkennen. Er strengte sich an und zuckte dann zusammen. Wieder schrie jemand: „Meine Bratwurst ist weg! Wer wagt es, mir meine Bratwurst zu stehlen?“

Jetzt hatte Walter eine Vermutung. Er sprang von der Mauer und lief zurück zum Fischer und dem kleinen Restaurant. Hier wollte er mal nach dem Rechten sehen. Er schaute um die Ecke und fand den Weg zum Hinterhof.

„Habe ich es mir doch fast gedacht!“, murmelte er. Zwischen einigen Mülltonnen stand die Möwe – der gesuchte Dieb. Sie war umzingelt von einer Schar kleiner Spatzen. „Aha und das sind also deine kleinen Komplizen!“

Walter wollte gerade anfangen zu bellen, um die Räuberbande aufliegen zu lassen, doch dann sah er, wie die Möwe das vermisste Fischbrötchen, ein Stück Pizza und die Kekse mit den kleinen Spatzen teilte. 

„Ach eigentlich ist es ja ein ganz lustiges Schauspiel gewesen und irgendwie gehört etwas Wirbel doch auch zu einem gelungen Strandtag dazu. Und ein richtiger Kriminalfall war es ja auch nicht“

Ohne sich bemerkbar zu machen, verließ Walter den Hinterhof und lief zum Bootssteg zurück. In der Ferne konnte er bereits den alten Segelkahn entdecken. „Ich genieße jetzt noch etwas meine Ruhe“, nahm er sich vor und stellte freudig fest, dass der Fischer ihm einen kleinen Teller mit leckeren Fischfrikadellen bereitgestellt hat. „Gar nicht mal schlecht, so ein Ausflug ans Meer!“. 

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