Möwe Erwin und das Wattenmeer

Möwe Erwin und das Wattenmeer

Möwe Erwin machte sich bei strahlendem Sonnenschein auf den Weg zum Strand, um Muscheln und Wattwürmer zu suchen. Da wo er lebte, gab es unzählig viele davon.

Um sie ausfindig zu machen benötigt man allerdings gute Augen, etwas Geschick und eine Menge Erfahrung. Im Wattenmeer gibt es neben Wattwürmern auch kleine und große Krebse und Krabben, verschiedene Fische und zahlreiche Muschelsorten.

Sie hielten sich besonders gern im Schlick und im feuchtem Wattboden oder in den Prielen auf. Dort warteten sie nur darauf, dass sie mit der nächsten Flut zurück ins Meer geschwemmt werden. 

Erwin machte an diesem Tag mehrere Rundflüge, um ein geeignetes Plätzchen zu finden, an dem er ungestört ein paar Muscheln knacken und genüsslich futtern konnte. Vielleicht würde sich ja auch die Gelegenheit bieten, den ein oder anderen Wattwurm ausfindig zu machen.

Erwin steuerte gezielt auf einen hohen Holzpfosten zu, ganz in der Nähe einer Sandbank. Hier setzte er sich ganz oben auf den Pfahl. Frischer Nordseewind durchstreifte sein kräftiges Gefieder.

Von seiner Aussichtsplattform aus beobachtete er belustigt eine kleine Gruppe von Menschen, die sich scheinbar gerade ganz genau erklären ließen, wie man einen Wattwurm findet. Außerdem wurde ihnen erklärt, dass man von den gekringelten Häufchen im Watt nichts zu befürchten hat.

Erwin hat schon häufig gesehen, dass die Touristen in Zickzack-Linien durch das Watt liefen, weil sie nicht hineintreten wollen. „Völlig harmlos!“, schmunzelte Erwin. „Ist nur verdauter Sand.“

Belustigt sah er weiter zu, wie einer der Menschen, vermutlich der Wattführer, mit einem langen Stock zuerst im Boden herumstocherte und danach im Priel versuchte einen Krebs herauszufischen. „Soll mir nur Recht sein!“, dachte sich Erwin.

So konnte er dabei zusehen, wie die Touristen seine Mahlzeit hervorlockten. Sobald die Menschen verschwunden waren, musste Erwin sie nur noch abholen und verspeisen. 

Als sich die Gruppe in Richtung Strand bewegte, streifte Erwins Blick von der Muschelbank quer über die gesamte Fläche bis zum Horizont. Er hörte bereits die rauschende Flut, die sich immer weiter ihren Weg zum Strand bahnte.

Erstaunt stellte er dabei fest, dass sich eine kleine Gruppe von Kindern noch immer ziemlich weit draußen befand. Sie waren scheinbar ehrgeizig damit beschäftigt, beachtliche Sandburgen zu bauen. Erwin sah, dass bereits eine Menge Prielwasser hindurchfloss. 

„Nanu?“, fragte sich Erwin. „Wo sind denn die Eltern von den fleißigen Bauherren?“ Doch weit und breit waren keine Eltern zu sehen. Er knackte eine festverschlossene Muschel, verschlang sie schneller als eigentlich geplant und flog los.

Er wollte sich genau ansehen, wie weit die Flut wirklich schon vorangekommen war und wie lange es noch dauern würde, bis das Wasser bei den Kindern ankommen würde. 

Jemand, der sich hier nicht auskannte würde die Lage ganz bestimmt falsch einschätzen. Da war sich Erwin sicher. Das Wasser sah noch so flach aus und schlug nur ganz sanfte Wellen. Tückisch war das, wenn man diese Gefahr nicht richtig beurteilen konnte.

Erwin wusste: „Es bleibt nicht viel Zeit. Schließlich müssen die Kinder ja auch noch eine ordentliche Strecke zu Fuß zurücklegen, bis sie wieder in Sicherheit und beim Strandkorb ihrer Eltern angelangt sind!“

Erwins Flügel schlugen kräftig und nun schwebte er elegant durch den blauen Himmel, bis er bei den Kindern angekommen war. Zunächst versuchte er die Gruppe zu umkreisen und dabei mit seinem typischen Möwen-Gekreische auf sich aufmerksam zu machen. 

Die Kinder waren davon allerdings wenig imponiert und bauten unbeeindruckt weiter. Da machte Erwin einen zweiten Versuch und flog mit voller Geschwindigkeit und im Sturzflug auf eine der Burgen zu.

–> Fortsetzung auf der nächsten Seite

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