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Wühlmaus Wilma und das Apfelfeld

Auf dem Apfelfeld warten spät abends die besten Äpfel auf Wühlmaus Wilma. Ein besonders großer erweist sich als zu schwer – bis ein Igel und ein Hase Wilma helfen.

ca. 7 Min. Vorlesedauer
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Der Herbst war auf dem großen Apfelfeld angekommen. Die Blätter an den Bäumen färbten sich langsam gelb und orange. Doch an diesem Morgen schien die Sonne noch einmal so warm vom Himmel, dass niemand an den Winter denken wollte.

Zwischen den langen Reihen der Apfelbäume herrschte schon seit dem frühen Morgen ein buntes Treiben. Überall liefen Menschen mit Körben umher, Kinder suchten nach besonders schönen Äpfeln und die Erntehelfer trugen volle Kisten zu den großen Wagen am Rand des Feldes.

Mitten unter all diesem Trubel lebte die kleine Wühlmaus Wilma. Tief unter einem alten Apfelbaum hatte sie ihre Höhle gebaut und dort bekam sie von dem geschäftigen Treiben über ihrem Kopf mehr mit, als ihr manchmal lieb war.

„Trippel, trappel, trippel, trappel.“

Den ganzen Vormittag hörte Wilma die Schritte der Menschen über sich. Mal waren es leichte Kinderschuhe, mal schwere Stiefel und manchmal rumpelte sogar ein voller Erntewagen über den Weg neben ihrem Bau.

Wenn ein Trecker vorbeifuhr, klirrten in Wilmas kleiner Küche die Haselnussschalen auf dem Regal. Dann hielt sie vorsichtshalber ihre Teetasse fest und wartete, bis das Brummen wieder leiser wurde.

„Ganz schön viel los heute“, murmelte sie.

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Wilma mochte den Herbst trotzdem sehr gern. Zu keiner anderen Jahreszeit gab es auf dem Feld so viel zu entdecken und so viele Leckereien zu finden.

An den Bäumen hingen rote, gelbe und grüne Äpfel zwischen den Blättern. Die Erntehelfer pflückten sie vorsichtig und legten sie in große Kisten, während auf den Wegen voll beladene Wagen hin und her fuhren.

Manchmal kullerte ein Apfel aus einer Kiste und blieb im Gras liegen. Ein anderer fiel mit einem leisen Plumps ganz von allein vom Baum.

Genau auf diese Äpfel wartete Wilma.

Doch solange die Menschen auf dem Feld arbeiteten, blieb sie lieber in ihrer Höhle. Dort sortierte sie ihre Vorräte, fegte den Boden oder setzte sich in ihren kleinen Sessel und lauschte den Geräuschen über sich.

Erst am späten Nachmittag wurde es allmählich ruhiger. Die letzten Besucher trugen ihre Körbe davon, die Erntehelfer stellten die leeren Kisten zusammen und schließlich brummte auch der letzte Trecker in Richtung Hof.

Wilma wartete noch eine Weile.

Dann steckte sie vorsichtig ihre Nase aus dem Eingang ihres Baus.

Die Sonne stand inzwischen tief am Himmel und ließ das ganze Apfelfeld golden leuchten. Zwischen den Bäumen war niemand mehr zu sehen.

„Endlich Feierabend!“, freute sich Wilma und schlüpfte nach draußen.

Neben dem Eingang stand ihr kleiner Holzkarren. Wilma packte den Griff mit beiden Pfoten und zog ihn hinter sich her.

Nun gehörten die langen Wege zwischen den Apfelbäumen für ein paar Stunden ganz ihr allein. Sie musste niemandem ausweichen und kein rumpelnder Wagen störte ihre Suche.

Unter dem ersten Baum lagen drei Äpfel im Gras. Einer hatte eine braune Stelle, der zweite war schon von einer Schnecke angeknabbert worden, aber der dritte sah beinahe vollkommen aus.

Mit aller Kraft versuchte die kleine Wühlmaus, den großen roten Apfel auf ihren Karren zu schieben. Doch vergebens – er war einfach zu schwer.

In diesem Moment raschelte es im feuchten Gras. Ein Igel und ein Hase kamen zwischen den Apfelbäumen hervor.

Der Igel hatte ein paar bunte Blätter zwischen seinen Stacheln. Das Fell des Hasen war vom feuchten Gras ganz nass geworden.

Die beiden hatten Wilma schon von Weitem entdeckt und beobachtet, wie sie sich mit dem großen Apfel abmühte.

„Warte, Wilma, wir helfen dir!“, rief der Hase und hoppelte schnell zu ihr.

„Zu dritt schaffen wir das bestimmt“, sagte der Igel und stellte sich neben den Karren.

Gemeinsam stemmten sie sich gegen den großen Apfel. Wilma schob von hinten, der Hase drückte mit seinen Vorderpfoten und sogar der Igel versuchte mit aller Kraft nachzuhelfen.

Doch der Apfel bewegte sich nur ein kleines Stück.

Wilma ließ sich erschöpft ins Gras plumpsen. Der Hase schnaufte und der Igel musste erst einmal ein Blatt aus seinen Stacheln schütteln, das ihm beim Schieben vor die Augen gerutscht war.

So würde es nicht funktionieren.

Wilma betrachtete den kleineren Apfel, der ein Stück weiter im nassen Gras lag. Den könnte sie ohne Mühe auf ihren Karren laden und mit nach Hause nehmen.

Doch dann sah sie wieder zu dem großen roten Apfel. Er war so schön reif und sah so saftig aus, dass Wilma ihn nur ungern liegen lassen wollte.

Plötzlich hatte sie eine Idee.

„Wir müssen ihn doch gar nicht im Ganzen mitnehmen“, sagte sie. „Wir können ihn teilen!“

Der Hase und der Igel sahen sich an. Darauf waren sie noch gar nicht gekommen.

Gemeinsam teilten sie den großen Apfel in mehrere Stücke. Nun waren die einzelnen Stücke leicht genug, und Wilma konnte ihren Anteil ohne große Mühe auf den kleinen Karren laden.

Natürlich bekamen auch der Igel und der Hase etwas ab. Schließlich hatten sie kräftig mit angepackt.

Der Apfel schmeckte herrlich süß und saftig. Eine Weile saßen die drei Freunde im feuchten Gras und knabberten zufrieden an ihren Stücken, während über ihnen die ersten Sterne am Abendhimmel erschienen.

Dann verabschiedeten sich der Hase und der Igel. Der Hase hoppelte über den schmalen Weg davon und der Igel verschwand raschelnd unter den bunten Blättern am Rand des Feldes.

Wilma zog ihren kleinen Karren zurück zu ihrem Bau.

Inzwischen war es dunkel geworden. Über den langen Reihen der Apfelbäume spannte sich ein klarer Sternenhimmel, und der Mond ließ die feuchten Blätter im Gras silbern glänzen.

Wilma blieb noch einen Augenblick vor ihrer Höhle stehen. Tagsüber war es hier laut und geschäftig gewesen, doch nun hörte sie nur das leise Rascheln der Blätter und irgendwo in der Ferne den Ruf einer Eule.

Dann brachte sie ihre Apfelstücke hinein.

In Wilmas kleiner Höhle war es angenehm warm. An den Wänden hingen getrocknete Gräser, auf dem Regal standen ihre kleinen Tassen und Teller und auf dem Tisch leuchtete eine kleine Laterne.

Wilma stellte die Apfelstücke in ihre Vorratskammer. Morgen würde sie daraus ein leckeres Apfelmus kochen.

Doch für heute hatte sie genug erlebt.

Sie löschte die Laterne, kuschelte sich in ihr weiches Bettchen aus Moos, Blättern und trockenem Gras und zog die Decke bis an ihre Nase. Ihre Pfoten waren müde vom Schieben und Ziehen, aber Wilma war glücklich.

Draußen funkelten die Sterne über dem stillen Apfelfeld.

Und während der Wind ganz leise durch die Blätter der Apfelbäume strich, schlief Wilma zufrieden ein.

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