Der Dieb in der Vorratskammer

Der Dieb in der Vorratskammer

Der Herbst kam viel schneller als erwartet. Plötzlich verfärbten sich die Blätter bunt und mit jedem Windhauch fielen einige davon sanft zu Boden. 

„Es wird wieder Zeit auf Vorratssuche zu gehen“, dachte sich der kleine Feldhamster. Flink und darauf bedacht, von niemandem beobachtet zu werden, huschte er aus seinem Bau quer über das Feld.

Bis vor kurzem standen hier noch hohe Gräser und buschige Maispflanzen. Doch gestern drohte Sturm und Hagel und der Bauer musste das Feld schnellstens abmähen. Unter diesen Umständen musste der kleine Feldhamster sich ganz besonders vorsichtig über die freie Fläche bewegen.

Mühsam sammelte er einzelne Maiskörner und liegengebliebene Erntereste vom Feld auf. Sobald er die Vorräte in seinen Hamsterbacken verstaut hatte, flitzte er rasch zurück zu seinem Bau. Dort legte er die Körner sorgfältig in seine Vorratskammer ab und machte sich auf den Weg zum Haselnussbaum. 

Dort traf er auf ein Eichhörnchen. Es war gerade damit beschäftigt, eine Nuss nach der anderen vom Baum zu pflücken und herunterzuwerfen. Anschließend sammelte das Eichhörnchen die Nüsse vom Boden auf und verscharrte sie in einem Versteck. „Hey!“, rief das Eichhörnchen von einem Ast herunter. „Was machst du denn hier an meinem Baum?“


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„Wieso sollte das denn dein Baum sein? Ich wüsste nicht, dass dieser Baum nur dir gehört!?“, rief der kleine Feldhamster hinauf. Doch bevor das Eichhörnchen antworten konnte, wurden beide durch ein lautes Rascheln im Laub aufgeschreckt. 

„Hallo ihr zwei!“, rief die kleine Feldmaus, die soeben ihre Nase aus dem Laubhaufen streckte. „Ich habe euch beobachtet. Ihr seid wohl ebenfalls auf Futtersuche?“ Während sie das sagte, blickte sie ehrfürchtig auf den Haufen Nüsse, den das Eichhörnchen bereits unter dem Haselnussbaum aufgetürmt hatte. 

Die beiden nickten eifrig. „Der Winter steht schon fast vor der Tür. Viel Zeit bleibt nicht mehr zum Sammeln und Verstecken“, rief das Eichhörnchen aufgeregt.

„Jeden Tag wird es bereits kälter. Und spätestens wenn der Boden gefroren ist, werde ich meine Vorräte nicht mehr vergraben können. Deshalb muss ich jetzt besonders fleißig sein, um im Winter nicht hungern zu müssen.“

Plötzlich hatte die kleine Feldmaus eine Idee. „Lasst uns doch zusammen Vorräte suchen! Ich kann schnell laufen und passe durch alle Schlitze und Löcher hindurch. Zudem kenne ich die besten Verstecke in den Kornkammern und bin so flink, dass ich jedem davonlaufen kann“, quietschte sie ganz überzeugend.

„Wenn wir zusammen sammeln, könnten wir insgesamt viel mehr zusammentragen und unsere Vorräte viel besser vor Dieben schützen!“. Die Idee klang einleuchtend – das fand auch der kleine Feldhamster. 

„Ich kann gut Höhlen und Gänge graben“, meinte er. „Niemand ist dabei so schnell und geübt, wie ich. Außerdem kann ich Unmengen an Körnern gleichzeitig in meinen Backen transportieren, ohne dabei immer wieder zum Bau hin- und herlaufen zu müssen.“

„Also ich…“, rief das Eichhörnchen. „Ich kann klettern und von einem Ast zum anderen springen. Auch vor Dächern und Dachrinnen schrecke ich nicht zurück. Oben an den Bäumen hängen viele Leckereien, an die sonst kaum jemand heran kommt!“

„Und ich kann fliegen!“, rief eine kleine Meise, die neugierig der Unterhaltung des Feldhamsters, des Eichhörnchens und der Feldmaus  gelauscht hatte.

„Wenn es brenzlig wird, kann ich alle vorwarnen und schnell davonfliegen. Käfer und Würmer sehe ich von ganz weit oben und Getreidekörner oder Brotkrümel finde ich fast überall. Gern würde ich bei euch mitmachen!“

„Na gut!“, rief das Eichhörnchen. „Wenn keiner etwas dagegen hat, dann können wir uns meinetwegen zusammenschließen. Wir sammeln ab jetzt täglich gemeinsam und bringen die Vorräte anschließend an einen geheimen Ort. Wir verraten niemandem, wo wir unsere Vorräte verstecken und jeder von uns muss abwechselnd Wache halten, damit uns kein Dieb bestehlen kann!“ 

Alle Tiere stimmten dem Vorschlag zu.

Tag für Tag und Woche für Woche trugen sie alles zusammen, was sie finden konnten. An einem kühlen, nebligen Tag beschlossen die Tiere das Versteck gemeinsam aufzusuchen und sich anzusehen, wie viele Vorräte sie bereits angehäuft hatten. Der Winter lies nicht mehr lange auf sich warten und alle fühlten sich gut vorbereitet. 

„Der Winter kann kommen!“, rief die kleine Feldmaus ganz begeistert. Als sich alle am geheimen Versteck versammelt hatten, sahen sie einen kleinen Berg an Nüssen, Beeren und Körnern vor sich.

„Na nu!?“, piepste die Meise. „Der Vorratshaufen sah gestern aber noch größer aus!“ Auch die anderen Tiere schauten sich verdutzt an. 

„Gestern musste der Feldhamster als erster Wache halten“, rief das Eichhörnchen. „Nur er hat Hamsterbacken, in denen er die Vorräte verschwinden lassen kann.“

Der Feldhamster versicherte den anderen Tieren, dass er ganz sicher nichts davon eingesteckt hatte und ließ sich als Beweis ganz tief in die leeren Hamsterbacken gucken.

„Wer könnte es sonst gewesen sein? Dem Dieb werden wir schon auf die Schliche kommen!“, waren sich alle einig.  

Etwas bedrückt verließen sie das Versteck. Nur die Meise, die heute Wache hielt, blieb vor dem Eingang stehen und sollte die Vorräte die ganze Nacht bewachen.

Am nächsten Tag kamen wieder alle zusammen und brachten ihre frisch gesammelten Eicheln, Bucheckern, Nüsse und Körner mit. Da rief der Feldhamster: „Das gibt es doch nicht! Es sind wieder etliche Vorräte verschwunden. Der Berg wird immer kleiner!“

„Nun kann es nur die Meise gewesen sein. Sie kann als einzige fliegen und im Nu alles davontragen, ohne dass es jemand von uns merken würde.“ Doch die Meise schüttelte den Kopf und versicherte den anderen Tieren, dass sie so etwas niemals machen würde.

„Den Dieb werde ich mir vorknöpfen, wenn ich den erwische!“, sagte das Eichhörnchen ganz erzürnt. „Heute halte ich Wache und werde ganz besonders aufmerksam sein.“ 

Als sich am nächsten Tag alle wieder trafen, hatten sie ganz besondere Leckereien dabei. Brombeeren und Hagebutten, getrocknetes Brot und etliche Samen, die sie gefunden hatten.

Sie wollten es gerade in das Versteck bringen, als die kleine Feldmaus rief: „Oh je. Ich glaube das Eichhörnchen hat heute Nacht noch mehr Vorräte geklaut. Schließlich kann es hoch hinauf auf die Bäume klettern! Jetzt ist nicht mehr viel übrig!“ Doch das Eichhörnchen wehrte ab und beteuerte, dass es nichts mit dem Verschwinden der Vorräte zu tun hatte. 

Die Tiere waren ratlos. Gerade als sie sich überlegten, was nun zu tun sei, rumpelte es ganz laut in ihrem kleinen Versteck. Sie drehten sich zu der Seite, von welcher der Krach kam und wo ihre stetig schwindenden Vorräte aufgetürmt waren. Sie trauten ihren Augen nicht, denn die restlichen Kastanien, Nüsse und Eicheln verschwanden im Erdboden und waren wie von einem Erdrutsch verschluckt.

Die Tiere schauten sich an und riefen: „Das ist der Dieb! Wir haben ihn!“ Sie rannten zum Vorratshaufen und sahen in einen Tunnel, aus dem ein Maulwurf heraus blinzelte. 

„Warum klaust du unsere Vorräte?“ rief die Feldmaus sofort. 

„Warum gehst du nicht selbst auf die Suche, anstatt dich an unseren Nüssen und Beeren zu bedienen?“, rief der Feldhamster. 

„Ich habe euch nicht absichtlich die Vorräte weggenommen! Als ich hier einige Gänge gegraben habe, rieselten plötzlich lauter Leckereien von oben in meinen Bau. Ich habe noch nichts davon angerührt und wusste auch nicht, wem sie gehören. Natürlich könnt ihr alles wieder haben!“

„Danke! Wir sind wirklich froh, dass es keiner von uns gewesen ist, denn wir hatten uns schon gegenseitig verdächtigt. Auch wenn du uns einen großen Schrecken eingejagt hast, sind wir doch erleichtert, dass es kein wirklicher Dieb gewesen ist.“

Jetzt wissen wir, dass wir einander vertrauen können und das festigt unsere Freundschaft um so mehr. Wenn du magst, kannst du dich gern zu uns gesellen und wir teilen unsere Vorräte mit dir. Gemeinsam überstehen wir den Winter ganz bestimmt!“

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3 Kommentare zu „Der Dieb in der Vorratskammer“

  1. Eine wunderbare Herbstgeschichte. Meine Kleine fand sie zu spannend zum einschlafen. Sie mag eure Geschichten sehr, Danke für alle.

    Viele Grüße

  2. Vielen Dank für die herrlichen Geschichten.
    Wir lesen fast täglich eine davon. Meine kleine 4 jährige schläft recht schnell dabei ein. Ich aber muss Sie immer zuende lesen, weils Freude macht.

  3. Selbst meine 18 jährige Freundin (Ich bin 19) liebt es manchmal, von mir eure Geschichten vorgelesen zu bekommen. Sehr beruhigend und spannend. Danke!

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