Vorlesedauer: ca. 3 minEs war eine besonders kalte Nacht im Januar. Schon seit Tagen schwebten dichte Schneewolken am Himmel. Kein einziger Stern war zu sehen, und auch der Mond hatte sich versteckt. Tief hinter den Wolken lag er, eingerollt in seine Lieblingswolke, und schlief beinahe.
„Warum soll ich mich zeigen, wenn mich niemand sehen kann?“, murmelte er verschlafen. „Niemand wartet auf mich. Die Sterne schlafen, und unter der Wolkendecke ist es sowieso stockdunkel.“ Er gähnte leise und schloss die Augen.
Währenddessen fiel auf der Erde leise Schnee. Die Welt war still. Kein Vogel sang, kein Tier war zu hören. Nur der Schnee rieselte unermüdlich vom Himmel. Er legte sich auf Dächer, Äste und Wege, bis alles in weißem Glanz versank.
Ein kleiner Schneehase hoppelte durch den Wald. Seine Pfoten hinterließen Spuren im frischen Schnee, doch bald waren sie wieder verschwunden. Der Hase hatte sich verlaufen. Der Wald sah nun ganz anders aus als sonst.

„Wo ist mein Bau?“, flüsterte er ängstlich. „Alles ist weiß. Ich erkenne keinen Weg mehr.“
Der Mond hörte das leise Hasenstimmchen. Er rieb sich den Bauch und seufzte. „Ich bin so müde… aber vielleicht braucht mich da doch jemand.“
Langsam schob er sich durch die dicke Wolkenschicht. Es war schwer. Die Wolken klebten an ihm wie warmer Brei. Doch der Mond gab nicht auf. „Nur ein bisschen Licht… nur ein kleines bisschen.“

Plötzlich fielen silberne Strahlen durch die Nacht. Der Schnee begann zu glitzern. Jedes Eiskristall funkelte wie ein kleiner Stern auf der Erde.
Der Hase hob den Kopf. „Oh! Was ist das?“ Er sah, wie sich der Mond durch die Wolken schob und sein Licht auf die weißen Felder warf.
Der kleine Hase erkannte einen vertrauten Baum. „Den kenn ich! Dahinter ist mein Bau!“ Freudig hoppelte er los. Dank des Mondlichts fand er sicher nach Hause.
Auch andere Tiere lugten aus ihren Höhlen. Die alte Eule blinzelte aus ihrer Baumhöhle, der Dachs streckte die Nase aus dem Bau, und ein paar Mäuse flitzten durch das Gras.
Sie alle sahen, wie wunderschön der Schnee nun leuchtete. Niemand sprach ein Wort, doch alle wussten: Der Mond war für sie erwacht.
Der Mond lächelte. Seine Strahlen wurden heller, sein Gesicht rund und glanzvoll. „Ich werde gebraucht. Auch wenn mich niemand ruft, bin ich da.“
Als der Morgen nahte, wurde der Himmel langsam blasser. Das erste Licht der Sonne kitzelte den Mond an der Nase. „Du kannst jetzt schlafen“, flüsterte sie sanft.
Der Mond gähnte noch einmal. „Ich habe alles gesehen. Es war eine gute Nacht.“
Und mit einem letzten, silbernen Schimmer verschwand er hinter dem Horizont. Die Schneenacht war vorbei, aber ihr Glanz blieb noch lange in den Herzen der Tiere.









