Der kleine Wirbelwind

Gute Nacht Geschichte: Der kleine Wirbelwind
Zusammenfassung:
Vorlesedauer Icon Vorlesedauer: ca. 5 min
Der kleine Wirbelwind will zeigen, was in ihm steckt. Doch erst als er lernt, auf die anderen Kräfte des Wetters zu hören, entdeckt er seine wahre Stärke.

Ganz oben in der Lufthülle, weit über den Hügeln und Bäumen, lebte eine kleine Familie: Mutter Wind, Vater Wind und ihr Kind, der kleine Wirbelwind. Er war neugierig, verspielt und voller Energie. Am liebsten sauste er in Kreisen umher, lachte laut und pustete kleine Pusteblumen auseinander.

Mutter und Vater Wind liebten ihren kleinen Wirbel sehr. Jeden Tag brachten sie ihm etwas Neues über das Wetter bei. „Siehst du die Wolken dort?“, fragte Vater Wind. „Sie bringen Regen, manchmal Schnee. Ohne sie würde die Erde verdursten.“

„Und die Sonne dort oben?“, fügte Mutter Wind hinzu. „Sie wärmt die Erde, macht die Blumen wach. Aber ohne uns, den Wind, würde es mancher Ort kaum aushalten vor Hitze.“

Der kleine Wirbelwind hörte aufmerksam zu. Er war stolz, so viel zu lernen. Aber manchmal glitzerten seine Augen vor lauter Tatendrang. Dann zappelte er, drehte sich und murmelte: „Ich will doch nur mal ein bisschen stärker pusten.“

„Vorsicht, mein Kleiner“, warnte Vater Wind. „Unsere Kraft kann helfen, aber auch schaden. Windmühlen brauchen uns, um Korn zu mahlen. Aber wenn wir zu wild sind, bricht ein Ast oder schlimmer.“

„Du wirst deine Zeit haben“, flüsterte Mutter Wind sanft. „Doch zuerst musst du lernen, mit uns gemeinsam zu pusten, im Einklang mit Sonne, Mond und Wolken. Nur zusammen funktioniert das Wetter.“

Doch eines Morgens waren Mutter und Vater Wind weit fortgezogen, um Nebel aus einem tiefen Tal zu lösen. Der kleine Wirbelwind war allein. Er wirbelte ein bisschen hier, pustete ein wenig da. „Hm“, dachte er, „das ist ja kaum zu merken.“

Lustiges Emoji

TIPPKennst du schon unsere beliebten Witze, Flachwitze und Kinderwitze?

Er nahm all seine Kraft zusammen, drehte sich immer schneller im Kreis. Ein Strudel entstand, eine Windrose wirbelte in alle Richtungen. „WOW!“, rief der kleine Wirbelwind, ganz begeistert von seiner Macht.

Doch auf der Erde veränderte sich alles. Schiffe gerieten in Not, kleine Bäume kippten um, Regentonnen flogen durch Gärten und Fahrräder lagen kreuz und quer auf den Straßen. Der Wind war außer Kontrolle.

Gerade noch rechtzeitig kamen Mutter und Vater Wind zurück. Mit sanfter, aber bestimmter Gegenkraft bremsten sie den tobenden kleinen Wirbel aus. Er zitterte leicht und seine Freude war verflogen.

„Ich wollte doch nur mal probieren, wie stark ich sein kann“, flüsterte er kleinlaut. Mutter Wind nahm ihn in den Arm. „Das verstehen wir, mein Schatz. Doch du musst wissen, was deine Kraft bewirkt.“

Vater Wind pustete eine dicke Wolkenschicht zur Seite. „Sieh hin“, sagte er leise. Der kleine Wirbelwind blickte auf die Erde. Umgestürzte Bäume, erschrockene Tiere, kaputte Zäune.

Sein Herz wurde schwer. „Das wollte ich nicht …“ Mutter Wind nickte. „Ich weiß. Und deshalb ist heute ein guter Tag, um zu lernen.“

Sie flogen zurück in die Höhe, wo die Luft klarer wurde. Dort warteten schon die anderen. Frau Sonne strahlte warm, aber vorsichtig. Herr Mond schwebte leise daneben, begleitet von den Wolkengeschwistern. Alle hatten sie gesehen, was passiert war.

„Weißt du, kleiner Wirbelwind“, sagte Frau Sonne, „wenn ich zu lange scheine, wird die Erde trocken. Und wenn ich plötzlich verschwinde, wird es bitterkalt. Deshalb sprechen wir uns ab.“

„Und ich“, sprach Herr Mond, „halte das Gleichgewicht, wenn ihr alle ruht. Ich bin still, aber wichtig. Auch Sturm braucht Ruhe danach.“

Die Wolken schoben sich dichter heran. Eine von ihnen, grau und schwer, sprach langsam: „Manchmal müssen wir stark sein. Wenn es zu trocken ist, bringen wir Regen, auch viel Regen. Aber wenn wir alle durcheinanderwirbeln, ohne Ordnung, dann wird aus Regen ein Unwetter.“

„Wir sind nicht nur das sanfte Tröpfeln auf den Blättern“, sagte eine dunkle Sturmwolke. „Wir können auch grollen und blitzen. Aber das tun wir nie allein und nie grundlos.“

Vater Wind legte den Arm um seinen Sohn. „Du hast gesehen, was passiert, wenn du allein pustest. Doch wenn wir alle aufeinander hören, wie in einem Orchester, entsteht etwas Kraftvolles — manchmal ruhig, manchmal stark, aber nie unkontrolliert.“

Mutter Wind blies ein zartes Lied durch die Luft. Die Tropfen trommelten leise mit. Die Sonne strich einen goldenen Ton dazu, der Mond setzte eine weiche Melodie darunter. Und der kleine Wirbelwind? Er lauschte.

Er schloss die Augen, spürte den Takt der anderen. Zum ersten Mal pustete er nicht wild durcheinander, sondern genau dann, wenn es passte. Er war noch immer voller Energie — doch nun mit Gefühl.

Und als er das nächste Mal durch die Lüfte sauste, tat er es nicht nur aus Freude, sondern mit dem Wissen: Seine Kraft ist Teil von etwas Größerem. Von einem Wetter, das leben lässt, schützt und bewegt.

Weitere Gute-Nacht-Geschichten:

Weitere interessante Artikel:

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert