Kommissar Walter und der Silvesterabend

Kommissar Walter und der Silvesterabend
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Silvesterabend bei Frau Blumenthal: Während die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen, verschwindet plötzlich das Gastgeschenk. Dackel Walter nimmt die Fährte auf – aber schafft er es, das Rätsel rechtzeitig zu lösen?

An diesem Tag herrschte große Aufregung in der kleinen Stadt. Fast alle Bewohner machten sich bereits früh am Morgen auf den Weg zum Wochenmarkt, um alles Notwendige für den Silvesterabend zu besorgen.

In diesem Jahr hatte Frau Blumenthal zu sich nach Hause eingeladen und wollte neben dem klassischen Käsefondue auch ein großes Buffet für ihre Gäste vorbereiten. Alle Gäste hatten von Frau Blumenthal einen kleinen Auftrag bekommen und waren nun kreuz und quer auf dem Markt verteilt.

Einige sollten einen Heringssalat vorbereiten, andere besorgten die typischen Zutaten für das Käsefondue. Außerdem standen ein Rote-Beete-Salat, frisches Baguette, Frikadellen, eingelegte Oliven, halbierte Senfeier und kleine Rosmarinkartoffeln auf den verschiedenen Einkaufslisten.

Auch Dackel Walter war an diesem Tag schon früh auf den Beinen, um rechtzeitig mit seinem Herrchen auf dem Markt zu erscheinen. Zuerst standen sie eine gefühlte Ewigkeit beim Bäcker an, um unzählige Berliner mit den verschiedensten Füllungen zu besorgen.

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Danach wollten sie noch ein kleines Gastgeschenk für Frau Blumenthal aussuchen und ergatterten einen großen vierblättrigen Glücksklee in einem glitzernden Übertopf.

„So! Das wäre schon mal geschafft, Walter!“, sagte sein Herrchen zufrieden und atmete dabei tief durch. „Ich bin wirklich froh, dass wir es nachher nicht weit zur Feier haben. Schließlich sollen mein selbst gemachter Wurstsalat, die vielen leckeren Berliner und der Glücksklee ja heile bei Frau Blumenthal ankommen.“

Walter zuckte mit den Schultern und fand ausschließlich den Gedanken an den Wurstsalat interessant. Er verstand die Aufregung um die Silvesterfeier sowieso nicht und, um ehrlich zu sein, mochte er Silvester nicht besonders. Insgeheim hoffte er, dass es noch lange dauern würde, bis die Sonne unterging und die ersten Knaller ihren Weg Richtung Himmel fanden.

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Wie die meisten Tiere fand Walter den Lärm der Feuerwerkskörper abscheulich und konnte gut darauf verzichten. Doch er trug es mit Fassung.

„Irgendetwas scheint die Menschen ja an diesem Fest zu faszinieren“, dachte er sich. Er nahm sich jedenfalls vor, gegen Mitternacht heimlich im Keller von Frau Blumenthal zu verschwinden und erst wieder herauszukommen, wenn der Großteil des Feuerwerks bereits abgebrannt war.

Als alle Einkäufe erledigt waren, machten sich die beiden langsam auf den Rückweg. Walter legte sich noch einmal auf die Gartenbank und begann zu dösen.

„Vermutlich ist heute Abend nicht an Schlaf zu denken“, sinnierte er und schloss die Augen. Während Walter vom Duft des zubereiteten Wurstsalates träumte, begann im Haus nebenan das hektische Treiben.

Frau Blumenthal hatte bereits ihre vier Enkelkinder zu Besuch, die aufgeregt durch den Garten flitzten. Einige der Gäste hatten sich dazu bereit erklärt, die Dekoration im Garten und auf der Terrasse zu übernehmen, damit sich Frau Blumenthal um das Buffet kümmern konnte.

Doch plötzlich schreckte Walter auf. Nebenan knackte und knisterte es und aus dem Garten von Frau Blumenthal stieg eine mächtige Rauchwolke auf.

„Ach du meine Güte! Es brennt! Es brennt!“, dachte Walter. Er sprang sofort auf, bellte laut und suchte sich den schnellsten Weg durch die stachelige Hecke, die beide Grundstücke voneinander trennte.

„Autsch, diese fiesen Dornen, jedes Mal“, schimpfte der Dackel und kam völlig außer Puste im Garten seiner Nachbarin an. Erschrocken sahen ihn die Kinder und Frau Blumenthal an.

„Walter, was ist denn los? Wir machen doch nur ein kleines Lagerfeuer!“ Gemeinsam standen sie an einem eisernen Feuerkorb und begannen damit, den Stockbrotteig an kleine Holzstöcke zu befestigen.

Erleichtert darüber, dass es bei Frau Blumenthal nicht wirklich brannte, machte sich Walter wieder auf den Rückweg nach Hause. Dieses Mal nahm er jedoch den weniger schmerzvollen Weg um das Haus herum.

Nachdem sein Herrchen den Salat mit Folie abgedeckt hatte, die Berliner auf ein silbernes Tablett positionierte und nochmal seine schwarze Fliege zurecht zupfte, machten sich die beiden auf den Weg zur Feier.

Mittlerweile waren fast alle Gäste da und das Haus von Frau Blumenthal erinnerte an das Innere eines Bienenstocks. Überall standen kleine Grüppchen, die sich angeregt unterhielten und auch die Anzahl der Kinder hatte sich in der Zwischenzeit vervielfacht.

Gerade als Walter in das Wohnzimmer laufen wollte, wurde er von vielen kleinen neugierigen Augen beobachtet und kurz darauf am Rücken, an den Ohren und sogar am Bauch gekrault.

„Hey lasst das! Ich bin kitzelig“, dachte Walter, der am liebsten sofort wieder umgedreht wäre. Doch er blieb tapfer und gab keinen Mucks von sich.

Erst als Frau Blumenthal ins Wohnzimmer eilte, um ein paar neue Gläser aus dem Schrank zu holen, ermahnte sie ihre Enkel und die Nachbarskinder zur Vorsicht im Umgang mit dem Dackel.

„Das ist ein Hund und kein Kuscheltier, Kinder! Lasst den armen Dackel mal etwas zur Ruhe kommen. Hier ist heute wirklich einiges los.“

Die Kinder hörten auf Frau Blumenthal und ließen Walter eine kleine Verschnaufpause. Doch bereits kurze Zeit später hüpften sie erneut um ihn herum und flitzten von einem Zimmer zum nächsten.

Als Walter sich für eine gemütliche Ecke im Flur entschieden hatte, beobachtete er zufällig, wie eine kleine Gruppe von Gästen beisammen stand. „Das ist das Geschenk für Frau Blumenthal. Ich lege den Umschlag erstmal hier auf die Kommode und kurz vor Mitternacht überreichen wir ihn, ok?“ Die anderen nickten und tätschelten den Umschlag anerkennend.

Danach verschwanden sie in unterschiedlichen Zimmern. „Das werden bestimmt die Konzertkarten für das Philharmonieorchester sein“, dachte Walter. Sein Herrchen hatte vor kurzem das Programmheft auf dem Sessel liegen gelassen und dem Dackel beiläufig erzählt, dass Frau Blumenthal Karten als Dank für die schöne Silvesterfeier bekommen würde.

Walter hatte Spaß daran zu beobachten, wie die Feier langsam richtig in Gang kam. Das Buffet war bereits eröffnet, die Laune der Gäste war gut und draußen war es frostig kalt.

Während sich die meisten Besucher im Wohnzimmer oder in der Küche aufhielten, ging Walter noch einmal an die frische Luft und sah sich das lodernde Lagerfeuer an. Gerade als er sich dazugesellen wollte, war es passiert.

Ihm stellten sich plötzlich die Nackenhaare auf und er blieb wie angewurzelt stehen. Direkt über ihm flog eine Rakete mit einem bunten Lichtschweif in den Himmel und zischte dabei ohrenbetäubend laut.

„Genau deshalb mag ich dieses Fest nicht. Und genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um im Keller von Frau Blumenthal zu verschwinden“, sagte sich Walter und machte sich schnellstmöglich auf den Weg dorthin.

Walter stieg die steinerne Treppe hinab und landete schließlich im Keller. Einige Spinnweben konnte er ausfindig machen, aber ansonsten sah es einigermaßen gemütlich darin aus.

Er schnappte sich eine Gartenauflage und zog sie mit der Schnauze ans untere Ende der Treppe. „Hier werde ich es mir für die nächsten Stunden gemütlich machen“, beschloss er und machte die Augen zu.

Mittlerweile war es 23 Uhr und eine leichte Unruhe machte sich bemerkbar. Am langen Tisch im Wohnzimmer wurden Brettspiele aufgebaut und überall silberne Girlanden aufgehangen. Glückskekse lagen auf den Tischen und auch der schöne vierblättrige Klee von Walter und seinem Herrchen hatte einen Platz gefunden.

Doch plötzlich verschwanden einige Gäste in der Diele, und auch Walters Herrchen wurde verzweifelt herbeigewunken. „Er ist weg! Der Briefumschlag mit den Konzertkarten ist weg!“ flüsterte eine Frau nervös.

„Jetzt bleib doch erstmal ruhig. Wo soll er denn schon hin sein? Und überleg doch nochmal ganz genau, ob du ihn nicht woanders hingelegt haben könntest“, sagte ihr Mann. Doch die Frau schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn ganz bestimmt hier abgelegt und jetzt ist er weg!“

Die Suche begann und alle Gäste versuchten so unauffällig wie möglich mitzuhelfen. Sie wollten auf jeden Fall vermeiden, dass Frau Blumenthal etwas von der Überraschung erfährt, geschweige denn, dass die Überraschung eventuell zu platzen drohte.

Bei einem Blick auf die Uhr wurde jedoch klar, dass ihnen die Zeit davonrannte. „Wo ist Walter denn bloß immer, wenn man ihn braucht?“, fragte sein Herrchen und machte sich nun auch noch auf die Suche nach seinem Hund.

Erst als Frau Blumenthal ihn darum bat, den Sekt zum Anstoßen aus dem Keller zu holen, fiel es ihm ein. „Na klar, der Keller!“ Schnell lief er los und stolperte eilig die Treppen hinunter.

„Walter, da bist du ja! Ich hab dich schon überall gesucht. Du glaubst nicht, was da oben los ist. Der Umschlag mit den Konzertkarten ist verschwunden und die Überraschung für Frau Blumenthal droht zu platzen.“

Dabei zeigte er aufgeregt auf seine Armbanduhr. Es war bereits zwanzig Minuten vor Mitternacht. Nun war Walter wieder hellwach. „Der Umschlag lag doch vorhin noch oben auf der Kommode“, dachte er.

„Wo könnte er denn plötzlich hin sein?“, überlegte er. Sofort stieg er die Treppe hinauf und begann zu schnüffeln. Doch schnell stellte er fest, dass die Gerüche durch den Fondue-Käse, den Räucherlachs und das Lagerfeuer im Garten jegliche Fährte übertünchten.

Er lief jedes Zimmer im Erdgeschoss ab und betrachtete dabei die Gäste ganz genau. Die meisten waren gerade selbst mit Suchen beschäftigt und verschoben dabei Möbel und Teppiche. „Gut, dass Frau Blumenthal von alledem nichts mitbekommt“, dachte Walter und sah in die Küche hinüber. Die Gastgeberin war gerade damit beschäftigt, alle Gläser zu befüllen und das Tischfeuerwerk vorzubereiten.

Doch dann hatte Walter eine Idee: „Es ist erstaunlich ruhig hier. Wo sind denn eigentlich die Kinder abgeblieben?“

Er schnüffelte sich durch den Flur und stieg die Treppe hinauf. Dort befanden sich die Gäste- und Schlafzimmer des Hauses. Walter spitzte seine Ohren und lief zielstrebig zum ehemaligen Kinderzimmer.

Als er seinen Kopf leise durch den Türspalt steckte, sah er wie die Kinder fröhlich mit der uralten Post spielten. Daneben war ein kleiner Tresen aus Holz aufgebaut und eines der Mädchen trug eine gelbe Kappe auf dem Kopf.

„Der Nächste bitte!“ rief sie ihrem kleinen Bruder zu, der scheinbar vor dem Tresen Schlange stehen sollte. „Lassen Sie mal sehen! Dieser Brief benötigt etwas mehr Porto.“

Sie legte einen Umschlag auf eine kleine Waage und stempelte ihn danach ab. „So, das wärs. Der Nächste bitte.“

Walter wollte gerade wieder umkehren, als er plötzlich etwas Glänzendes entdeckte. Ein kleines Mädchen hielt stolz den verschwundenen, goldenen Umschlag in die Höhe und legte ihn auf den Tresen. Walter zählte eins und eins zusammen.

„Jetzt oder nie!“, dachte er sich und flitzte so schnell er konnte in das Zimmer. Als die Kinder ihn bemerkten, begann er sich wie wild im Kreis zu drehen und dabei laut zu hecheln.

„Was ist denn mit dem Hund los?“, fragte einer der älteren Kinder und rief die Treppe hinunter. „Mama, komm schnell her. Hier oben stimmt was nicht.“

Im Nu kam seine Mutter ins Zimmer geeilt. „Welch praktischer Zufall“, dachte Walter, als er die Frau wiedererkannte.

Walter beendete sofort seine Zirkuseinlage und lief langsam und vorsichtig zu dem kleinen Mädchen und stupste mit der Nase an den Tresen. Die Frau erkannte den Umschlag sofort und sah danach dankbar zum Dackel hinunter. „Du hast mir wirklich den Abend gerettet, Walter!“, sagte sie und tätschelte ihn dabei zwischen den Ohren.

Gemeinsam gingen sie wieder nach unten. Kurz vor Mitternacht versammelten sich alle Gäste um Frau Blumenthal herum. „Diese beiden Karten gehören nun Ihnen, aber bedanken müssen sie sich bei Walter.“

Dem Dackel war die geballte Aufmerksamkeit fast unangenehm. Aber dass er sogar an Silvester einen Fall aufklären würde, hätte er selbst wohl am wenigsten erwartet.

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