Der Adler und die Schildkröte

Der Adler und die Schildkröte

Eine kleine Schildkröte saß am Rande des Meeres und blickte in die Ferne. Sehnsüchtig betrachtete sie die Vögel, die scheinbar mühelos über das Meer flogen. Sie hatten ihre Flügel weit ausgebreitet und schwebten elegant durch die Wolken. 

„Es muss wundervoll sein, die Welt von oben zu betrachten und unbeschwert durch die Lüfte zu fliegen. Ich dagegen bin gefangen in meinem schweren Panzer und krieche mühsam durch den Sand. Wie ungerecht das Leben spielt!“, beschwerte sich die kleine Schildkröte.

Ein vorbeifliegender Adler bemerkte die traurige Schildkröte und landete direkt neben ihr. „Hallo, kleine Schildkröte! Warum siehst du denn so traurig aus? Stimmt etwas nicht?“, fragte er sie.

„Ich glaube du wirst mich nicht verstehen können, lieber Adler. Du bist ein so stolzer Vogel, der ohne Mühe hoch hinauf in den Himmel steigt und mit seinen kräftigen Flügeln durch die Lüfte gleitet“, antwortete die kleine Schildkröte.

„Ich hingegen bin eine arme Kröte, die kaum einen Meter weit laufen kann, ohne dass ein ganzer Tag vergangen ist. Ich wünschte, du würdest mich das Fliegen lehren. Dann könnte ich auch durch die Lüfte schweben und die Welt von oben betrachten!“

Der Adler war skeptisch. „Das wird niemals funktionieren können. Schau dich doch nur an – du hast gar keine Flügel. Und ohne Flügel kann man nicht fliegen“, entgegnete er.

„Sei doch kein Spielverderber! Man hat mir bloß noch nie beigebracht, wie das Fliegen funktioniert. Ich bin mir sicher, dass es funktionieren wird!“, sagte die kleine Schildkröte und blickte den Adler mit großen Augen an.

Der Adler konnte ihr den Wunsch nicht ausschlagen und nahm die kleine Schildkröte in seine Fänge. Er breitete seine Schwingen aus und stieg in den Himmel empor.

Die Schildkröte war außer sich vor Freude: „Hier oben ist es noch schöner, als ich es mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte! Jetzt lass mich los, damit ich selbst fliegen kann.“

„Aber kleine Schildkröte, sei doch vernünftig! Du hast doch keine…“, setzte der Adler an, als er durch die Schildkröte unterbrochen wurde. „Tu es!“, schrie sie laut. Der Adler erschrak und ließ die kleine Schildkröte los. 

Wie ein nasser Sack fiel sie in die Tiefe, bis sie mit einem großen Platschen ins Meer fiel. Glücklicherweise hatte sie sich blitzschnell in ihren Panzer zurückgezogen, sodass sie nach einiger Zeit unversehrt wieder auftauchte.

Sofort eilte der Adler zu ihr und landete neben ihr im Wasser. Er war sichtlich erleichtert, dass die kleine Schildkröte sich bei dem Sturz nicht verletzt hatte.

„Gerade nochmal gut gegangen“, schnaufte die kleine Schildkröte erleichtert. „Du hattest Recht, weiser Adler. Manche Dinge sollten wohl besser nicht in Erfüllung gehen, egal wie sehr man sie sich wünscht.“ 

Was ist die Moral der Fabel Der Adler und die Schildkröte?
Die Geschichte zeigt, dass man sich im Vorfeld genau überlegen sollte, was man sich wünscht und, dass man keine tollkühnen Forderungen stellen sollte. Darüber hinaus zeigt sie, dass manche Dinge sind, wie sie sind und sich nicht ändern lassen.
Was meinst du?
Welche Moral steckt aus deiner Sicht in dieser Fabel? Schreib es uns in die Kommentare!

Hinweis: Diese Geschichte basiert auf Äsops Fabel, die um 600 vor Christus geschrieben wurde. Sie wurde durch uns modernisiert und illustriert.

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