Die Schildkröte und der Hase

Die Schildkröte und der Hase

Der Hase war im ganzen Wald bekannt für seine Kraft und seine Schnelligkeit. Scheinbar mühelos konnte er innerhalb kürzester Zeit weite Strecken zurücklegen, ohne dabei ins Schwitzen zu kommen.

Eines Tages hoppelte der Hase an einer Schildkröte vorbei, die gerade mühsam ihren Weg durch den Wald suchte. Der Hase blieb stehen und fing an zu lachen.

„Mit deinen kurzen Füßen und deinem großen Panzer bist du das langsamste Tier, das ich jemals gesehen habe! Pass gut auf, dass du beim Laufen nicht aus Versehen einschläfst!“, jubelte der Hase und hielt sich den Bauch vor Lachen. 

Die Schildkröte ließ sich nicht beirren von den Worten des Hasen. Langsam setzte sie weiter einen Fuß vor den anderen.

„Ich muss wirklich ganz genau hinsehen, um sagen zu können, ob du dich bewegst oder auf der Stelle stehst. Wie lang brauchst du für zehn Meter? Einen ganzen Tag?“, grölte der Hase weiter.

Da blieb die Schildkröte stehen. „Mach du dich ruhig lustig über mich. Bisher bin ich noch immer an meinem Ziel angekommen. Und wenn ich genau darüber nachdenke, glaube ich sogar, dass ich dich in einem Wettrennen besiegen würde“, sagte die Schildkröte und schmunzelte.

Als er das hörte, kugelte sich der Hase vor Lachen auf dem Boden. Erst nach einigen Minuten hatte sich der Hase wieder beruhigt und sagte dem Wettrennen zu. 

Schnell hatten sich die Beiden auf den Fuchs als Schiedsrichter geeinigt und trafen sich kurze Zeit später an der alten Birke, dem vereinbarten Startpunkt des Wettlaufs. 

„Wer zuerst am großen Teich angekommen ist, hat das Rennen gewonnen“, verkündete der Fuchs. „Seid ihr bereit? Drei, zwei, eins – los!“, rief er und eröffnete das Rennen. 

Wie vom Blitz getroffen sprang der Hase los und hoppelte davon. Bereits nach kurzer Zeit hatte er die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Er drehte sich um und stellte fest, dass die Schildkröte erst wenige Schritte weit vorangekommen war. 

„Wenn das so leicht ist, habe ich noch genügend Zeit, um einen kurzen Abstecher zum Möhrenfeld zu machen“, dachte der Hase. Unter dem Jubel der zuschauenden Tiere hoppelte er schnurstracks zum großen Feld und knabberte genüsslich ein paar Möhren. 

Als er nach einigen Minuten zurück zur Laufbahn gelangte, sah er, dass die Schildkröte noch immer in der Nähe der Startlinie war. Mühsam setzte sie einen Fuß vor den anderen und kroch langsam durch den Wald. 

„Jetzt aber schnell!“, rief der Hase ihr zu und drehte sich um. Die Vögel, Mäuse und Füchse, die das Spektakel beobachteten, feuerten den Hasen an. Aufgestachelt vom Applaus des Publikums führte der Hase etliche Kunststücke und waghalsige Sprünge vor.

Doch die zahlreichen Möhren und die viele Bewegung hatten den Hasen müde gemacht. Deshalb legte er sich kurz vor der Ziellinie ins Gras, um sich etwas zu erholen. Kaum hatte er sich hingelegt, war er auch schon tief und fest eingeschlafen. 

Plötzlich wurde er durch lauten Jubel und Applaus aus seinen Träumen gerissen. Er öffnete seine Augen und konnte kaum glauben was er sah. Die Schildkröte setzte ihren Fuß über die Ziellinie und hatte das Rennen gewonnen.

„Herzlichen Glückwunsch, liebe Schildkröte. Du hast den Wettlauf gewonnen!“, rief der Fuchs. Alle Tiere des Waldes gratulierten der Schildkröte und feierten gemeinsam mit ihr den unglaublichen Sieg.

Was ist die Moral der Fabel Die Schildkröte und der Hase?
Die Geschichte von der Schildkröte und dem Hasen zeigt, dass Schnelligkeit allein nicht unbedingt zum Ziel führt. Beständigkeit und Geduld sind ebenso wichtig, um seine Ziele erreichen zu können. Überheblichkeit und Leichtsinn hingegen können auch einen sicher geglaubten Sieg in Gefahr bringen.
Was meinst du?
Welche Moral steckt aus deiner Sicht in dieser Fabel? Schreib es uns in die Kommentare!

Hinweis: Diese Geschichte basiert auf Äsops Fabel, die um 600 vor Christus geschrieben wurde. Sie wurde durch uns modernisiert und illustriert.

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