Nelly möchte lesen lernen

Zuletzt aktualisiert am 28. August 2021

Elefant Nelly möchte Lesen lernen

Das kleine Elefantenmädchen Nelly mochte nichts lieber, als die Geschichten aus ihrem Lieblingsbuch. Sie konnte es kaum abwarten, bis jemand Zeit fand, um ihr daraus vorzulesen. In einem kleinen Rucksack, auf den Rücken geschnallt, hatte sie es stets bei sich.

In den Elefantenfamilien kümmerten sich außer den Eltern auch viele Tanten und Cousinen um die Elefantenkinder, die noch nicht zur Schule gingen oder noch sehr klein waren. Insofern hatte Nelly viele Verwandte um sich herum, die schon lesen konnten.

Komischerweise fanden die Erwachsenen immer einen triftigen Grund, weshalb sie keine Zeit hatten und weshalb sie Nelly nun gerade nicht aus ihrem Lieblingsbuch vorlesen konnten. Nelly wurde dann oft auf später vertröstet.

Auf Dauer war das ganz schön anstrengend. „Was müsste es doch schön sein, selbst lesen zu können“, dachte Nelly.

Jeden Morgen brach eine Horde von Elefantenkindern in die Schule auf, die sich in der Savanne befand. Darunter waren auch die Geschwister und die Nachbarskinder von Nelly.

Am liebsten hätte sie sich in die Gruppe gemischt, aber jedesmal enttarnte sie einer von den großen Schülern. „Was willst du denn hier! Geh zurück nach Hause! Du darfst noch nicht mit! Du bist noch kein Schulkind!“

Darüber war Nelly richtig sauer. Sie hätte doch nur ganz leise zugeguckt, wie Lesen funktioniert. „Die großen Schüler sind sowieso ganz schön eingebildet.“

„Nur weil sie die großen Ranzen mit dicken Büchern bei sich haben und eben schon lesen, schreiben und rechnen können. Pfff!“, erklang es aus Nellys Rüssel und sie trottete traurig davon.

Wenn sie dann zurückbleiben musste und endlich jemanden gefunden hatte, der bereit war ihr vorzulesen, holte sie schnell ihr Lieblingsbuch aus dem Rucksack hervor. Viele Geschichten kannte sie schon.

Dennoch hörte sie die Geschichten immer wieder gern und lauschte jedesmal ganz aufmerksam. Wenn die Vorleserin am Ende der Seite angelangt war, konnte sie sogar an der richtigen Stelle mit ihrem Rüssel umblättern.

Und Nelly merkte es, ob jemand gerne las oder nicht.

Ihre große Cousine zum Beispiel, war ganz oft nicht bei der Sache. Manchmal ließ sie ein Wort aus, oder verlas sich ständig. Dann rief Nelly sofort dazwischen: „Aber da steht doch ganz was anderes drin!“ und guckte sie vorwurfsvoll an.

„Woher willst du das wissen? Du kannst doch gar nicht lesen was da steht“, entgegnete die Cousine dann. „Doch, das weiß ich wohl. Diese Geschichte wurde mir schon oft vorgelesen und ich habe es mir genau gemerkt.“ Aber beweisen konnte Nelly es natürlich nicht.

„Ach Nelly, es wird wirklich Zeit, dass du bald selbst deine Bücher liest!“, sagte die Elefantencousine. „Sei doch froh, dass ich mir überhaupt die Zeit genommen habe“. Daraufhin klappte sie das Buch zu und ging wieder an ihre Arbeit.

„Das kann doch nicht so weitergehen! Wie könnte ich mir das Lesen nur selbst beibringen?“, dachte Nelly.

Um sich einen Rat zu holen, trottete sie zu ihrer Oma. Sie war schon sehr alt und konnte nicht mehr gut sehen. Deshalb konnte sie der kleinen Enkelin auch nicht mehr vorlesen.

Trotz der Brille, die Oma trug, verschwammen die Buchstaben vor ihrer Nase. Aber konnten Buchstaben schwimmen? Natürlich nicht. Man sagte es nur so, wenn bei jemandem die Sehstärke stark nachließ.

–> Fortsetzung auf der nächsten Seite

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