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Schaf Tilda und der vergessene Geburtstag

Zusammenfassung:
Vorlesedauer Icon Vorlesedauer: ca. 5 min
Schaf Tilda entdeckt zufällig, dass die Herde Mariellas Geburtstag vergessen hat. Mit wenig Zeit organisiert sie heimlich Blumen, Muscheln und die Hilfe ihrer Freunde, um daraus eine liebevolle Überraschung für Mariella zu gestalten.

Der Abend legte sich golden über den Deich, und ein lauer Wind trug den salzigen Geruch der Nordsee bis zu den Schafen hinauf. Die Herde graste gemächlich im hohen Gras, während die Sonne langsam hinter den Wellen versank. Nur Mariella stand still und betrachtete versonnen ihr Spiegelbild in einer kleinen Pfütze.

„Ist meine Wolle heute nicht besonders flauschig?“, murmelte sie zufrieden und zupfte mit dem Mund an einer widerspenstigen Locke.

Schaf Tilda tapste derweil am Fuß des Deichs entlang, dort, wo der Schäfer am Nachmittag mit seinem Hund vorbeigekommen war. Zwischen den Grasbüscheln lag ein zerknittertes Kalenderblatt, das ihm wohl aus der Jackentasche gerutscht war. Tilda blieb stehen, schnupperte neugierig daran und las das Datum, das mit krakeliger Schrift eingekreist war.

Ihre Augen wurden groß. Heute war Mariellas Geburtstag – und die ganze Herde hatte es vergessen!

Leise trabte Tilda von Schaf zu Schaf und flüsterte die Neuigkeit weiter. Die Schafe blökten erschrocken und steckten aufgeregt die Köpfe zusammen, denn Mariellas Geburtstag durfte auf keinen Fall einfach so vorbeigehen.

Über ihnen zog Kiebitz Kalle seine Kreise und ließ seinen typischen Ruf über den Deich schallen. Tilda winkte ihm aufgeregt zu. „Kalle, kannst du auf Mariella aufpassen und uns Bescheid geben, falls sie zu früh herüberschaut?“

Der kleine Vogel nickte eifrig mit seinem schwarzen Federschopf und flatterte hinüber zu Mariella, die immer noch versunken ihr Spiegelbild betrachtete. „Was für schöne Löckchen du heute hast“, zwitscherte er ihr zu, und Mariella strahlte geschmeichelt, ohne zu ahnen, dass er sie damit nur ablenken wollte.

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Derweil scharte Tilda die restliche Herde um sich. „Bruno, du sammelst Muscheln am Strand, so viele du tragen kannst“, befahl sie dem Schäferhund, der freudig mit dem Schwanz wedelte. „Und ihr anderen sucht Wildblumen am Deich, aber leise, ganz leise.“

Bruno trabte los, so eifrig, dass seine Pfoten laut auf den Kieselsteinen klapperten. Mariella hob den Kopf und schaute sich um. „War da nicht gerade ein Geräusch?“, fragte sie misstrauisch, doch Tilda war sofort zur Stelle.

„Ach Mariella, dein Fell schimmert heute ganz besonders schön“, schwärmte Tilda, und tatsächlich vergaß Mariella augenblicklich jedes Geräusch. Sie drehte sich zufrieden zur Seite, damit die Sonne ihre Wolle noch schöner zum Leuchten brachte, und Tilda atmete erleichtert aus.

Nach und nach kehrten die Schafe mit vollen Mäulern zurück, beladen mit Gänseblümchen, wildem Klee und zarten Strandnelken. Bruno legte stolz einen ganzen Haufen glänzender Muscheln ins Gras, die er unten am Wattenmeer gefunden hatte. Tilda und die anderen Schafe begannen sofort, die Blüten vorsichtig zu einem kleinen Kranz zu ordnen.

Es war gar nicht so leicht, die Stängel richtig zu flechten, doch gemeinsam hatten die Schafe mehr Geschick, als sie selbst gedacht hätten. Zwischen die Blüten webten sie feine Muschelstückchen und ein paar weiche Wollflocken. Der Kranz wurde immer runder und schöner.

Während die Sonne endgültig hinter dem Horizont verschwand, tauchten die ersten Glühwürmchen im Gras auf und funkelten wie winzige Laternen. Tilda betrachtete zufrieden das Ergebnis und nickte der Herde zu. „Jetzt ist es Zeit“, flüsterte sie, und ein aufgeregtes Kribbeln ging durch die Reihen.

Kiebitz Kalle flog ein letztes Mal zu Mariella hinüber. „Komm doch mit zum Deich, dort soll das Abendrot heute besonders schön sein“, zwitscherte er, und Mariella folgte ihm sofort.

Als sie oben ankam, blieb sie wie angewurzelt stehen. Die ganze Herde stand im Halbkreis, umringt von funkelnden Glühwürmchen, und in der Mitte lag der Blütenkranz aus Gänseblümchen, Klee und glänzenden Muscheln. „Alles Gute zum Geburtstag, Mariella“, riefen alle wie aus einem Mund.

Mariella schlug die Hufe vor den Mund und fand für einen Moment gar keine Worte. „Ihr habt an mich gedacht“, flüsterte sie schließlich gerührt, während Tilda ihr sanft den Blütenkranz auf den Kopf setzte.

„Es tut mir leid, dass wir es fast vergessen hätten“, sagte Tilda leise und stupste Mariella sanft an. „Aber wir wollten dir zeigen, wie gern wir dich haben!“ Mariella schmiegte sich an Tilda und dankte den Schafen für diese tolle Überraschung.

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