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Die Wichtel und die gerettete Ernte

Zusammenfassung:
Vorlesedauer Icon Vorlesedauer: ca. 7 min
Während die Wichtelfamilie unter der alten Eiche ihre Wintervorräte sammelt, beobachten sie, wie ein Bauer allein gegen die Zeit arbeitet. Als ein Regen aufzieht, packen die kleinen Helfer in der Nacht heimlich mit an, um die Ernte zu retten.
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Der Sommer neigte sich langsam dem Ende zu. Noch wärmte die Sonne den Waldboden, doch morgens glitzerten bereits kleine Tautropfen auf den Gräsern und zwischen den Wurzeln der großen Eiche.

Dort, tief unter der Erde, lebte die Wichtelfamilie. Wie in jedem Jahr wussten die Wichtel ganz genau, was die kühleren Nächte bedeuteten: Bald würde der Herbst kommen.

„Wir haben noch viel zu tun!“, verkündete die Wichtelmutter eines Morgens. Auf dem großen Holztisch hatte sie Körbe, kleine Gläser und leere Flaschen bereitgestellt.

Die Wichtelkinder wussten sofort, was das bedeutete. Die Zeit der letzten Sommerernte hatte begonnen.

Mit kleinen Körben auf dem Rücken zogen sie hinaus in den Wald. Zwischen den Sträuchern leuchteten dunkle Brombeeren. Und auch an vielen anderen Stellen fanden die Wichtel noch weitere reife Beeren, die sie sorgfältig einsammelten.

Dabei naschte das jüngste Wichtelkind heimlich eine besonders dicke Brombeere. Als es sich umdrehte, mussten alle lachen, denn sein ganzer Mund war blau gefärbt.

Auch die Tiere des Waldes waren nun fleißig: Eichhörnchen huschten durch die Zweige und Mäuse suchten nach Körnern und Eicheln.

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„Jeder nimmt nur so viel, wie er braucht“, erinnerte der Wichtelvater die Kinder. Schließlich mussten auch die Tiere genügend Nahrung für die kommenden Monate finden.

Am Nachmittag kehrte die Familie mit gefüllten Körben zurück. Ein Teil der Beeren wurde zu Saft verarbeitet. Aus einem anderen Teil kochten sie süße Marmelade für ihren Wintervorrat.

Während die Wichtel im Wald ihre Vorräte sammelten, hatte auch auf dem Bauernhof am Waldrand die Erntezeit begonnen. Auf den Feldern waren Kartoffeln, Kürbisse und anderes Gemüse reif geworden und mussten nun möglichst schnell eingebracht werden.

Seit einigen Tagen beobachteten die Wichtel, wie der Bauer von früh bis spät auf seinen Feldern arbeitete. Normalerweise kamen zur Erntezeit einige Helfer auf den Hof, doch in diesem Jahr waren es viel weniger als sonst.

„Sieh nur, er ist schon wieder ganz allein auf dem Feld“, stellte eines der Wichtelkinder fest. Der Bauer hob eine schwere Kiste auf seinen kleinen Traktor und wischte sich anschließend erschöpft über die Stirn.

Auch am nächsten Tag sahen sie ihn schon früh am Morgen bei der Arbeit. Eine Kiste nach der anderen musste gefüllt, getragen und zum Hof gebracht werden, doch kaum hatte der Bauer eine Reihe geschafft, warteten schon die nächsten Kartoffeln und Kürbisse auf ihn.

„So schnell kann er das alles gar nicht schaffen“, sagte die Wichtelmutter besorgt. Der Wichtelvater nickte und betrachtete die großen Felder, auf denen noch überall die reife Ernte lag.

Doch zunächst hatten auch die Wichtel selbst noch einiges zu erledigen. Am nächsten Morgen wartete bereits die nächste Arbeit auf sie, und so sammelten sie weiter fleißig Vorräte für die kommenden Monate.

Unterdessen arbeitete der Bauer unermüdlich weiter. Von früh bis spät fuhr er mit seinem kleinen Traktor über die Felder und brachte so viel von der Ernte zum Hof, wie er nur konnte.

An diesem Nachmittag zog plötzlich ein kräftiger Wind auf. Dunkle Wolken schoben sich vor die Sonne und ließen die ersten Blätter von den Bäumen wirbeln.

Die Wichtel beobachteten, wie der Bauer noch immer auf seinem Feld arbeitete. Vor ihm standen mehrere schwere Holzkisten, die bis oben hin mit Gemüse gefüllt waren.

„Die schafft er niemals alle vor dem Regen zum Hof“, stellte der Wichtelvater fest. Die Kinder sahen zum Himmel und nickten.

Jetzt war ihnen klar, dass der Bauer ihre Hilfe brauchte. Natürlich durfte er sie dabei niemals sehen, denn die Wichtel zeigten sich den Menschen nicht.

Also warteten sie geduldig, bis auf dem Bauernhof alle Lichter erloschen waren. Erst als der Bauer nach seinem langen Arbeitstag im Haus verschwunden war, begannen die Wichtel mit ihren Vorbereitungen.

In der Nacht trommelte der Regen gegen die Blätter der großen Eiche. Während die Menschen im Bauernhaus schliefen, öffnete sich zwischen den Wurzeln ganz vorsichtig eine kleine Tür.

Ein Wichtel nach dem anderen schlüpfte hinaus. Sie trugen ihre grünen Mäntelchen und zogen kleine Handwagen hinter sich her.

Auf dem Feld angekommen, machten sie sich sofort an die Arbeit. Einige sammelten Kartoffeln ein, andere rollten die Kürbisse vorsichtig unter ein altes Vordach neben der Scheune.

„Eins, zwei, drei – schieben!“, flüsterten die Wichtelkinder und stemmten sich gemeinsam gegen einen besonders großen Kürbis. Langsam setzte er sich in Bewegung und kullerte über den nassen Boden.

Plötzlich rollte er immer schneller. Die Wichtel rannten hinterher, doch der Kürbis sauste einen kleinen Hügel hinunter und blieb erst direkt vor der Scheunentür liegen.

Bis tief in die Nacht arbeiteten sie weiter. Als der Regen stärker wurde, waren die letzten Kisten endlich unter das trockene Vordach geschoben.

„Jetzt aber schnell nach Hause!“, flüsterte der Wichtelvater. Noch bevor am Horizont der Morgen dämmerte, waren alle kleinen Helfer wieder im Wald verschwunden.

Als der Bauer am nächsten Morgen aus dem Haus trat, blieb er verwundert stehen. Er betrachtete die trockenen Kisten, die Kartoffeln und die Kürbisse vor seiner Scheune.

„Wie sind die denn hierhergekommen?“, murmelte er und kratzte sich am Kopf. Auf dem matschigen Boden entdeckte er zwar viele winzige Spuren, doch bevor er sie genauer ansehen konnte, begann es erneut zu regnen und sie verschwanden.

Der Bauer freute sich über seine gerettete Ernte. Die Wichtel saßen währenddessen längst unter ihrer großen Eiche und stärkten sich mit Brot und frischer Brombeermarmelade.

In den folgenden Tagen wurde es im Wald immer herbstlicher. Hier und dort färbte sich bereits ein Blatt gelb, und morgens brauchten die Wichtelkinder ihre kleinen Mäntel.

Die Wichtelkinder betrachteten zufrieden ihre gefüllten Vorratsgläser. Bald würden die Blätter bunt werden, Kastanien auf den Waldboden fallen und irgendwann würden sie wieder ihre Laternen hervorholen.

Doch heute war es noch nicht so weit. Heute roch der Wald noch ein wenig nach Sommer – und schon ein kleines bisschen nach Herbst.

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